Kirche der Zukunft
Die katholische Kirche macht sich auf den Weg. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit ihren über 1000 Kirchengemeinden ist der Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“ gestartet. Die sinkenden Mitgliederzahlen, die Abnahme der Kirchensteuerkraft und der Rückgang der in der Seelsorge tätigen Mitarbeitenden machen eine Neustrukturierung auf verschiedenen Ebenen notwendig.
Um die Weichen für eine gute Zukunft der Kirche zu stellen, sind verschiedene Projekte angestoßen worden. Bereits vor über einem Jahr hat die Diözese – noch unter der Ägide des inzwischen emeritierten Bischofs Dr. Gebhard Fürst – den Prozess „Räume für eine Kirche der Zukunft“ gestartet. Jede Seelsorgeeinheit wurde dazu aufgerufen, den nicht-sakralen Gebäudebestand nach verschiedenen Gesichtspunkten unter die Lupe zu nehmen und sich von einem Drittel zu trennen. Momentan sind hier die Seelsorgeeinheiten in der Umsetzungsphase.
Auch Projekte wie die mittelfristige Finanzplanung und die Digitalisierung sind bereits in der Erarbeitungsphase und sollen Mitte 2026 zur Entscheidung gebracht werden.
Was die Seelsorgeeinheiten und Kirchengemeinden momentan am stärksten „umtreibt“, ist der Umstrukturierungsprozess in der Seelsorge. Um in Zukunft weiter im seelsorgerlichen Bereich gut arbeiten zu können, soll die Struktur der über 1000 Kirchengemeinden der Diözese, und damit der 105 Kirchengemeinden des Dekanats Ostalb, aufgelöst und neu gebündelt werden.
Dabei ist für Bischof Dr. Klaus Krämer, der unmittelbar nach seiner Ernennung zum Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart den Zukunftsprozess angestoßen hat, die inhaltliche Ausrichtung sehr wichtig. Theologinnen und Theologen haben daher Visionsbausteine mit sieben Begriffspaaren entwickelt, die die Eigenschaften, das Handeln und die Wirksamkeit der „Kirche der Zukunft“ an vielen Orten in den Blick nimmt. Diese lauten: nächstenlieb und hoffnungsvoll, vielgestaltig und vernetzt, nachhaltig und erfinderisch, hilfreich und erreichbar, sinnstiftend und segensreich, glaubwürdig und heilsam, schützend und stützend.
Das Begriffstrio, „jesusmäßig“, „geistesgegenwärtig“ und „gottvertrauend“, zeigt die Verbindung der Begriffspaare zu Gott auf. Aus diesem leben die Begriffe und können somit ihren Auftrag erfüllen.
Aus diesen Gedanken heraus will die Seelsorge der Zukunft die Handlungsfelder beschreiben und neue Raumschaften bilden, die die Weiterentwicklung von Leitung in neuen Strukturen sicherstellen kann. Dazu gehört auch ein möglichst schlanker und effizienter Verwaltungsaufbau.
Eine Entscheidung hat der Diözesanrat in seiner Sitzung am 28. und 29.11.25 getroffen.
Bischof Dr. Klaus Krämer ist es dabei wichtig, dass die Diözese zwar einen gewissen Rahmen vorgibt, jedoch vor Ort - nach den individuellen Bedürfnissen - auch Anpassungen möglich sind.
Bei allem Neuen, was auf die Kirchengemeinden nun zukommt, kann das Wort der deutschen Bischöfe vom 08.03.22 als zentrale Aussage wirken:
„In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche. Durch die Seelsorge möchte die Kirche Menschen in unterschiedlichen Situationen nahe sein; sie steht solidarisch an ihrer Seite. Sie will ihnen durch glaubende und hoffende Mitmenschen dabei helfen, ihr Leben zu deuten, zu gestalten und in Würde zu leben.“
„Kirche der Zukunft“ – „Seelsorge in neuen Strukturen“
Für das Dekanat Ostalb werden aus 105 Kirchengemeinden fünf bis sieben derzeit so genannte „Raumschaften“ gebildet. Zur Erklärung: Seit knapp 20 Jahren waren die Kirchengemeinden in 25 Seelsorgeeinheiten zusammengefasst. Diese waren jedoch keine handlungsfähigen Körperschaften.
Die Absicht: eine Weiterentwicklung und die Zusammenfassung von Kirchengemeinden in den veränderten pastoralen Anforderungen gerecht zu werden,sowie die rückläufigen Finanz- und Personalressourcen sinnvoll nutzen, nicht zuletzt entsteht die Möglichkeit, die Ehrenamtlichen und pastoralen Mitarbeitenden von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, um so die Seelsorge wieder mehr in den Blick zu bekommen.
Momentan sind die Dekanate dabei, die Kirchengemeinderäte zu informieren und auf die inhaltlichen Schwerpunkte des Prozesses mitzunehmen. Der ganze Prozess wird von so genannten synodalen Haltungen begleitet. …Mit diesen Haltungen wollen wir den Prozess gut starten und das Wesentliche – nämlich die Seelsorge – in den Mittelpunkt rücken, sowie den Zeitplan entsprechend einhalten (Dekanatsreferent Tobias Kriegisch). Solche Haltungen heißen beispielsweise Trau dich, Höre zu oder Bewege dich. Dieser Entwicklungsprozess sieht vor, dass die neuen Raumschaften bis Ende 2026 beschrieben sind. Bereits bis zum 7. Mai 2026 soll jeder Kirchengemeinderat sein Votum an das Dekanat weitergeleitet haben.
Ein spannender Prozess, er lädt ein zum Miteinander und Zusammen in den einzelnen Gemeinden und darüber hinaus. Die einzelnen Gemeinden als Ganzes – das ist wichtig – die Beratung in der jeweiligen Kirchengemeinde als Ganzes. Dafür gibt es verschiedene Instrumentarien, die die Kirchengemeinden finden (z.B. Gemeindevesammlung).
Ab 2027 sollen die neuen Raumschaften als Verwaltungsbezirke dann gebildet sein und in eine handlungsfähige Körperschaft geführt werden. Dafür wird von den Kirchengemeinden eine gemeinsame Gründungsvereinbarung erarbeitet. Auch die Entscheidung, wie die Leitung der neuen Großkirchengemeinde aussehen soll, muss entsprechend gefällt werden.
Wesentlich ist in allem: die Orientierung an der Lebenswelt der Menschen.
Grundlagen für die Umschreibung einer neuen Raumschaft, die die Entscheidungsfindung erleichtern können, hat man auf diözesaner Ebene erarbeitet: Wir denken dabei an die Orientierung am Leben der Menschen, an der maximalen Entfernung zu einer neuen Einheit, an geistliche Zentren oder ökumenische Partnerschaften, beschreibt der Dekanatsreferent. Grenzen der Kommunen, der öffentliche Personennahverkehr oder vorhandene Kooperationen sollen ebenfalls in die Überlegungen einfließen.
Wir sind überzeugt, dass wir durch die Zusammenschlüsse der Kirchengemeinden unsere Kirche zukunftsfähig machen und Veränderung gut gestalten, ist Dekan Robert Kloker überzeugt.
Auf diesem Weg begleitet ein Steuerungskreis auf Dekanatsebene die Kirchengemeinden. Ihm gehören neben Dekan Robert Kloker und Tobias Kriegisch auch die stellvertretende Gewählte Vorsitzende des Dekanatsrats, Anita Lenz, der Leiter der Caritas Ost-Württemberg, Markus Mengemeann, der Rechnungsführer des Dekanats, Jochen Breitweg und Hermann Lüffe aus der Seelsorgeeinheit Rems-Welland an.
Entscheidend ist für Bischof Dr. Klaus Krämer: Als Bischof ist es mir wichtig, dass wir diesen Weg als synodale Kirche gemeinsam gehen. …In einem offenen Beteiligungsformat. … Unser wichtigstes Ziel ist es, das kirchliche Leben vor Ort zu erhalten und zu unterstützen. Kirche lebt dort, wo Menschen zusammenkommen, um das Wort Gottes zu hören und den Glauben gemeinsam zu feiern – in der Feier der Eucharistie und in der Vielfalt verschiedener Gottesdienste. Kirche ist dort lebendig, wo Menschen ihr Leben und ihren Glauben miteinander teilen – auf vielfache Weise. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.


