Wie uncool ist das denn ?! 2 x 40 Jahre im Kirchenchor Sankt Konrad !

„Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir; dich preist der glorreiche Chor von Sankt Konrad.“

Bild: Bernhard Theinert, v.l.n.r.: Cornelia Keller, Christiane Glumb, Klara Raab, Harald Elser, Birgit Göppinger

Ein wenig vergesslich ist er schon, der Zweite Vorsitzende der Kirchengemeinde. Es kann aber auch sein, dass er den Ruf vor dem Evangelium an diesem Festtag des Evangelisten Matthäus absichtlich etwas eigenwillig abgewandelt hat. 

Manchmal braucht es kein bewusstes Zutun von Menschenhand damit alles zusammen passt. Zufällig war an diesem Tag nach der Chorprobe eine kleine Feier zu Ehren der langjährigen Sängerinnen Cornelia Keller und Christiane Glumb angesetzt! Damals wie heute fast unzertrennliche Schwestern, haben sie vor 40 Jahren auch gemeinsam angefangen im Kirchenchor Sankt Konrad ihre Stimme zum Lobe des Herrn zu erheben. Zu der Zeit noch unter Walter Beck, bekannt und gefürchtet für seine ganz speziellen Proben und furzkristigen Änderungen vor quasi jedem Gottesdienst. Eine schöne und aufregende Zeit. In der Rückschau irgendwie schnell vergangen und nun trotzdem ein Zeichen von Kontinuität in der immer schnelllebiger werdenden und, nach Guardini, zu Ende gehenden Neuzeit.

„Wer nach sieben Jahren seinen Partner austauscht und alle paar Jahre seinen Job wechselt, der singt auch nicht lange in einem Chor“, so die etwas verbogene These von Bernhard Theinert in seiner für ihn ungewohnten, ja extrem ernsten und feierlichen Laudatio. Mit diesem tierischen Ernst wurden die beiden jungen Damen, die keinesfalls älter als 49 sein können (und das seit mindestens 7 Jahren!), gewürdigt und die Urkunde des Cäcilienverbandes verlesen. 

Am liebsten hätte der Laudator, der genau weiß, wie sehr man unter der seltsamen Spezies Chorleiter, ja noch schlimmer: unter Chorleiterinnen leiden muss, den Damen persönlich die Ehrennadel für 40-jährige aktive Chormitgliedschaft angesteckt, aber aus unergründlichen Gründen wussten das die beiden Geehrtinnen zu unterbinden. Die Verletzungsgefahr war ihnen vielleicht zu groß, obwohl doch der Ansteckende als äußerst emphatischer Zeitgenosse bekannt gewesen wäre!

Den Wechsel zum mittlerweile auch schon jahrzehntelangen und verdienten musikalischen Leiter Harald Elser haben die Damen genauso unbeschadet überstanden, wie diverse Pfarrerwechsel und sind doch irgendwie jung im Geiste geblieben. Cornelia mit ihrer überspringenden freundlichen Ausstrahlung und Christiane, noch etwas bestimmter im Auftreten, die ihre liebevolle Art kaum verschleiern kann. Beide stimmsicher und -gewaltig, selbst mit Tenören oder grölenden Bässen im Rücken, wenn auch in unterschiedlichen Stimmlagen. Dass die Ältere im Alt, die Jüngere im Sopran singt, ist eher Zufall. Dass ihr Vater, Startenor der alten Garde, Gott hab ihn selig, damals schon im Tenor brilliert hat, ist nicht unbedingt Anreiz für die Kinder gewesen, den gleichen Chor zu beehren, aber hier ist die Rechnung wohl aufgegangen. 

Christiane musste manchmal schwerlich Beruf und Chor miteinander vereinen, und Cornelia hat auch der Wegzug aus Lorch nicht abgehalten, jeden Freitag die Gefilde der Kindheit aufzusuchen und den Chor kräftig aufzumischen. An diesem Abend, obwohl sie die Nase buchstäblich voll hatte, sogar in besonderer Weise. 

Liebevoll hergerichtet worden war die Festtafel für die Feierstunde und -runde u.A. vom „Nodabua“ Birgit Göppinger, vor Kurzem zum zweiten Mal 49 geworden, und Klara Raab, der Nachtischbeauftragten, die seit 30 Jahren im Chor verankert ist. 

Fingerfood kann ja sooo schmackhaft sein. Und da er sowieso in jedem Fettnapf zuhause ist, kam dem Hausherrn, der in jeder Hinsicht die vermeintlich einfachen Dinge liebt, das selbst gemachte Schmalz samt Brot sehr zu statten. Mehr davon!

Kein Wunder, dass der Kirchenchef ein weiteres mal den Halleluja-Ruf des Matthäus-Festes zum Ruhme der Jubilarinnen abwandeln musste:

„Euch preist der glorreiche Chor von Sankt Konrad! Alleluia!“

Bernhard Theinert

Zweiter Vorsitzender des KGR Lorch und
selbst „begnadeter“ Sänger vor dem Herrn