Wenn der Pfarrer uns an „Lætare“ in der Kirche die Leviten liest, …

… freut sich die Gemeinde trotzdem.

War es der unwiderstehliche Charme der Lorcher Kirchengemeinde, oder war es die wunderbare Architektur der Pfarrkirche Sankt Konrad, oder war es die Herzlichkeit von Hochwürden Nentwich, oder ist es vielleicht doch nur einfach die Fähigkeit unseres Chorleiters Harald Elser, junge Menschen zum Singen zu motivieren, wie es unser Pfarrer am Anfang der Messe vermutend in den Raum stellte? Vielleicht von Ällem a bissle, aber letztlich zählt einfach nur, dass Dominik & Sebastian Tobias von den Choristen der Gmünder Michael-Chorknaben mit Dömles-Organist Elser bei uns den GEG (GemeindeErsatzGesang) gemeistert haben. 

Wer selbst ab und zu den GEG übernehmen darf, der kann einschätzen, was diese zornigen jungen Männer dem gottesdienstlichen Auditorium für „ein Geschenk machen“, um mit des Zelebranten Worten zu sprechen. 
Einerseits ist es nicht selbstverständlich, so einen ehrenamtlich-musikalischen „Job“ zu stemmen, andererseits ist es heutzutage schon ein Privileg, singen zu dürfen. Es geht halt nichts über sonoren, zärtlichen, einfühlsamen und doch auch kräftigen Männergesang, weil, die Damen werden es mir nie verzeihen, einzig, allein, wahrhaftig und ausschließlich Männer solch sakrale Musikalität an den Tag legen können! Selbst in Schola und Männerensembles singend, spricht der Rezensent aus Erfahrung: Eine gute „Boy-Group“ ist durch nichts zu übertreffen. Schmeißen Sie die bombastischen Mozartmessen auf den Edelschrotthaufen der musikalischen Geschichte und die H-Moll-Messe von Bach gleich dazu und holen sie sich drei/vier singende Männer ins Gotteshaus…! - O.k., man kann es auch übertreiben.

Der Pfarrer hat mit seiner Predigt über den „rettenden Gott“ und seine Kirche, die sich genauso gebärden sollte, der versammelten Gemeinde vehement ins kollektive Gewissen geredet, aufdass diese ohne die musikalischen Lichtblicke sogar am Lætare-Sonntag fast etwas bedrückt aus der Kirche spaziert wäre. Wenngleich Erhard Nentwich immer Worte findet, die versöhnlich wirken und niemanden angreifen, so war der Inhalt doch dazu angetan, das Gewissen mittel- bis saumäßig anzukratzen. Und es war gut so!!!
Wem die Gardinenpredigt in der nur mit dem neuen Hungertuch behängten Kirche zu sehr zugesetzt hatte, den versöhnten die beiden jungen Männer mit Harald Elser als drittem Tenor von der Empore aus mit fast mittelalterlichen Klängen wieder mit Gott und der Welt. Gounod’s „Da pacem Domine“ und „In monte oliveti“, einem von Giovanni Martini vertontem Responsorium, steckte einiges an Übungsarbeit und Können. Geruch und Geschmack schon der Masken wegen mal ausgeschlossen, war das ein Gottesdienst-feiern mit allen Sinnen.

Jetzt ist der Verfasser im Zwiespalt: Einerseits würde sich die Lorcher Gemeinde freuen, wenn die erwachsenen und über sich hinausgewachsenen Chorknaben wieder mal in Erscheinung treten würden, andererseits hofft man natürlich, das E aus GEG bald wieder streichen zu können. Aber schließt das Eine das Andere aus? Gewiss nicht! Also: „Lætare! - Freue dich“ auf ein Wiedersehen!

Bernhard Theinert, 
der über so viel Musikalität und Inhalt immer noch still vor sich hin lætiert.