Unverhofft kommt oft !

Naja, „oft“ wäre anderthalbmal übertrieben, aber zwei Überraschungen hielt der Herz-Jesu-Freitag in dieser dritten Woche nach Pfingsten in Sankt Clemens dann doch für die treuen Kirchgänger bereit. 

Und so ging manch angenehm überraschter Blick verstohlen Richtung Empore, auf der sich zwei Vollblut-Musikerinnen an Gemeindestatt der wichtigsten Nebensache der Eucharistiefeier hingaben. 

Zum Einen ist es zwar schade, dass Gemeindegesang in der Kirche momentan verboten ist. Zum Anderen allerdings bringt gerade diese Verordnung von Staats wegen wunderbare Früchte hervor, die sonst vielleicht garniemalsnienicht gereift wären.

Heidrun Havran und Friderike Martens gaben sich ein Stelldichein der liturgisch-musikalischen Art und den Gläubigen ein dem Hochfest entsprechendes Gefühl des Emporgehobenseins.

Schon im Mittelalter kristallisierte sich eine ausgeprägte Form der Herz-Jesu-Verehrung bei Bernhard von Clairvaux oder Franz von Assisi in seiner Vision von San Damiano heraus. Wenn auch die Verbreitung durch die Jesuiten erfolgte, so haben doch die von Alfons von Liguori gegründeten Redemptoristen sich dieses Fest zu Eigen gemacht. Und jetzt raten Sie mal, wer auch zu dieser „Kongregation des Heiligsten Erlösers“ gehörte?! Ab und zu lohnt es sich, unserem Pfarrer genau zuzuhören. Richtig: Clemens-Maria Hofbauer. In diesem Sinne war, wenn man so will, der vergangene Freitag auch ein kleines Patrozinium der Alfdorfer Kirche. Wie passend, denn: 

Dann war da noch die Idee, den neu sanierten „Vorhöfen des Tempels“ eine entsprechende Würdigung zukommen zu lassen. Wenn es darum geht, einen Umtrunk anzuzetteln, haben die Lorcher Brüder der Seelsorgeeinheit Lorch-Alfdorf eben immer eine Idee und immer auch das passende flüssige Manna parat. Und so sorgte es nicht nur bei den Gottesdienstbesuchern für eine kleine Überraschung, als Hochwürden am Schluss der Messe noch zum Erkunden und Ersitzen des neuen Außenbereiches von Sankt Clemens und zu „einem“ Glas im Stehen eingeladen hat.

Architekt Michael Greiner stellte in einer kurzen Erläuterung klar, dass die neue Podexstütze epidemiologisch tauglich, weil lang genug für zwei Personen mit vorschriftsmäßigem Abstand sei. Passend zur „Domplatte“ vor dem Eingang der Kirche ist sie überdies, da in den Seitenteilen aus dem gleichen Bianco-Sardo-Granit der sardischen Provinz Sassari bestehend. Dass Buddusò außer weißgrauem Granit auch hervorragenden sardischen Wein und Ziegenkäsespezialitäten hervorbringt sei nur am Rande erwähnt, ist aber für den Rezensenten dennoch von allerhöchstem Interesse.  

Mangels Ministranten wurde der Gewählte Vorsitzende der Kirchengemeinde Alfdorf unversehens zum Wasserträger, als Herr Pfarrer Erhard Nentwich noch einen kurzen Segen über die Bank und die über sie hinwegsitzenden Menschen sprach. Eine Gewichtsbeschränkung hat er dabei nicht ausgesprochen! Das nennt man dann wohl Gottvertrauen.

Fehlt nur noch ein adäquater Name für das vom Architekten initiierte Kunstwerk, das den längst hinfällig gewordenen alten Außen-Sitz er-setzt. Die neue „Volksbank“ verdient, wenn wörtlich auch irgendwie passend, sicher einen weniger monetär behafteten Namen. Vorschläge erbeten unter StClemensMariaHofbauer.Alfdorf@drs.de . Dem  Gewinner winkt eine Schaufelbaggerfahrt nach Warschau mit Rückfahrt über Innsbruck und lebenslanges Sitzrecht auf dem äußerst gelungenen Ensemble aus Holz und Granit. 

Sicher ist es auch möglich, in entsprechender Haltung dem Schutzheiligen des Mittagsschlafes auf dieser Sitzgelegenheit zu gedenken: Alfons von LiegOhri. Der Gründer des Redemptionisten-Ordens möge die legastenische Schreibweise seines Namens bis in alle Ewigkeit vergeben!

Text & Bilder:  Bernhard Theinert