„Unlock-Messe“ in der Pfarrkirche Sankt Konrad

„Adiutorium nostrum in nomine Domini“ wurde von der Schola Cantorum Lorchensis wohl noch nie so innig als Initialzündung eines Gottesdienstes gesungen, wie an diesem Wochenende bei der „Unlock-Messe“ in der Pfarrkirche Sankt Konrad.

Von den epidemiologisch bedingten drei Hinweisblöcken nutzte der ewig Zweite Vorsitzende als „Erklär-Bär“ den ersten vorab, um auf die Besonderheiten im folgenden Gottesdienst hinzuweisen. Gut, wenn man das zugehörige Wappentier im Vornamen führt. Bernhard Theinert konnte so auch auf leicht ironische Art der anfänglich etwas geisterhaft anmutenden und „distanzierten“ Versammlung den ersten Schrecken nehmen. Wer hätte auch gedacht, dass in deutschen Landen das Vermummungsverbot quasi aufgehoben und sogar eine Maskenpflicht eingeführt wird. - Leider notwendig!

„Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten,“ stand, welch göttliche Fügung, im Evangelium dieses 5. Sonntags der Osterzeit, wobei der Gewählte Vorsitzende dazu sagen musste, dass der Herr es sicher leichter damit gehabt hatte, weil er sich eben nicht mit Desinfektionsmittel, Spuck- und Atemschutz zu bewaffnen hatte. Das Organisationsteam allerdings war damit in der Lage, in Sankt Konrad immerhin 73+11 Plätze „vorzubereiten“. Mehr wie im Heilig-Kreuz-Münster von Schwäbisch Nazareth! - Lorch halt!

Der Gemeinsame Ausschuss hatte sich im Vorfeld wort-, geist- und einfallsreich auf die Umsetzung der nicht unumstrittenen staatlichen und von unserem Fürst-Bischof noch verschärften Pandemie-Bestimmungen eingelassen und die bestmögliche Lösung gefunden, mit denen man die „Auferstehung“ der gemeinsamen Eucharistiefeier nach dem Lockdown trotz aller Bedenken auch freudig feiern konnte. Den Aufwand, den dabei auch Susanne Abele im Pfarrbüro damit hatte, kann man sich kaum vorstellen. - Gut gemacht!

Der Schutz des Einzelnen ist wichtig, weswegen leider ein Singverbot ausgesprochen werden musste. Mitsummen und Mitbeten war den 45 Auserwählten und zum Testlauf Geladenen aber ausdrücklich erlaubt worden. So hatte Moritz Frick an der Orgel buchstäblich alle Hände und Füße voll zu tun, um Volkes Stimme durch weitere 1462 Pfeifen und 34 Register zu ersetzen. - Musikalische Meisterleistung!

Schon alleine an der Beteiligung der vielen Gruppierungen spürte man durch den ganzen Gottesdienst die „lebendigen Bausteine“ der Zweiten Lesung, auf die sich auch Herr Pfarrer Erhard Nentwich in der Predigt bezog. Dass ausgerechnet an diesem Tag so viele Ehrenamtliche der Kirchengemeinden anwesend waren, könnte man als Zufall bezeichnen, war es aber nicht. Und so ist es ein Anliegen des Pfarrers gewesen, denen aus tiefstem Herzen zu danken, die die Gemeinde am Laufen halten, auch in Krisenzeiten. Auf dem erdbebensicheren Fundament dieses erhöht „zu Grunde“ gegangenen Christus ist ein solides Haus entstanden, das seine Bausteine eben gerade nicht zugrunde gehen lässt. Das ist die wahre Kirche, nicht der seelenlose Beton und die Steine, die uns umgeben! Und so hat der Architekt Hans-Werner Merkle auch sein Kunstwerk gesehen: „Kirche auf dem Weg durch die Zeit“ und deswegen die Form eines Zeltes für Sankt Konrad gewählt, als Zeichen des ständigen Aufbruchs. Die wahre Kirche braucht kein festes Haus, sondern einen festen Glauben an den Auferstandenen. Es braucht Menschen, die einen festen Standpunkt im Glauben haben. Wahre Toleranz lebt aus diesem Glauben. „Ein feste Burg ist unser Gott!“ ist quasi das Kampflied unserer evangelischen Schwestern und Brüder. Und sie haben recht damit! - Amen!

 

Besonderes Augenmerk musste auf den Kommuniongang gerichtet werden. KGR Dieter Huttelmaier konnte aus seinem Versicherungsbüro zwei ganz aus Acrylglas gefertigte und damit rahmenlose Spuckschutzwände zweckentfremden und als Pandemie-Lettner in Sankt Konrad temporär installieren. Auf die zufällig zum Inventar der Kirche passenden kleinen braunen Tische gestellt, wurden diese auch, da kaum sichtbar, als nicht störend empfunden. Nur ein Beispiel, wie eine Hand voll Organisatoren das Unmögliche schaffen kann. - Stilvolle Umsetzung!

Vor der Kommunion sorgte dann ein zweiter Hinweisblock des Pfarrers, der einen reibungslosen Ablauf des Kommunionempfangs gewährleistete, für Sicherheit an „Leib Christi“ und Seele. Parallel dazu wurde das Prozedere von der vierköpfigen Schola und den vier Ordnern den Gottesdienst-Teilnehmern aktiv und quasi aus dem Stehgreif vorgeführt. - Schlaue Idee!

Zum Schluss sorgte im letzten Hinweisblock der Kirchenchef aus Alfdorf, Erich Philipp, für „gesunde“ Zucht und Ordnung, indem er das geordnete Verlassen der Kirche klar und deutlich erklärte, damit Menschenansammlungen vor der Kirche verhinderte und somit auch hier für Sicherheit in jeder Hinsicht sorgte. Zudem konnte er aus den Anwesenden die Ordner für die nächsten Messen am 6. Sonntag der Osterzeit, also am 17. Mai um 9:00 Uhr in Sankt Clemens Alfdorf und um 10:30 Uhr in Sankt Konrad Lorch, rekrutieren. - Voraus gedacht!

„Die Würde der Liturgie“ wahrend musste auch die Schola Cantorum ins Rennen geschickt werden, um die unabdingbaren gesungenen Gebete von Ordinarium und Proprium des 5. Sonntags einfach und doch feierlich vor den Herrn zu bringen. Die in ihrer Schlichtheit bestechende „Missa mundi“ wurde so zum Kernstück der wichtigsten Nebensache in dieser Heiligen Messe. - Guad em Senga!

Man kann der momentanen Unbill nicht mit dem üblichen katholischen „Pomp…“ begegnen, weil eben andere „…Circumstances“ vorherrschen. Andererseits ist im Text dieser wunderbaren Komposition von Sir Edward Elgar eben auch von „Land of Hope and Glory“ die Rede. Machen wir uns diese „englische“ Gesinnung zu Eigen.

Foto & Text:  Bernhard Theinert