„Transeámus usque Béthlehem, et videámus hoc verbum, quod factum est.“

In diesem alten schlesischen Chorwerk, das auch der Lorcher Kirchenchor schon gesungen hat, stellt uns der leider nicht mehr bekannte Urheber einen Teil des Evangeliums nach Lukas vor Augen, oder besser gesagt, vor Ohren. „Der Schöpfer aller Ding“, wie es in einem anderen Weihnachtslied heißt, scheint tatsächlich den niederen Ständen sehr zugetan, wenn er die „Frohe Botschaft“, die für uns buchstäblich eine Zeitenwende eingeleitet hat, zuerst den Hirten zuteil werden lässt. Später erst kommen die „Großkopfaden“ in Form der Weisen aus dem Morgenland zu ihrem Recht. „Lasst uns nach Bethlehem ziehen und nachschauen, was der Herr uns verkünden ließ!“ Mit diesen Worten machten sich die Hirten auf den Weg, voller Neugier und doch vor allem auch angsterfüllt. Uns ginge es vermutlich genauso, wenn wir von der Ankunft des Herrn in dieser Weise erfahren würden, wie die vermeintlich einfachen Menschen damals. Oder ist das zu naiv gedacht? Vermutlich. Irgendein Spinner behauptet mal wieder, den Messias zu kennen. Und die, die so einem hinterher laufen, sterben auch nicht aus. In dieser gleichgültigen, satten und doch verrückten Welt würde wohl keiner irgendwelche (un-)scheinbaren Himmelsgestalten mit göttlichen Botschaften wahrnehmen. Warum auch?! Wir leben, zumindest hier in Europa, in einem relativ sicheren Umfeld. Unser Bruttosozialprodukt steigt immer weiter und solange „Lensa mit Spätzle“ für alle reichen, gibt es außer den üblichen Wohlstandsproblemen nur die Sorge um noch mehr Wohlstand und noch mehr Netto vom Brutto. Ach ja: und hoffentlich ist niemand enttäuscht, weil es vielleicht das falsche Weihnachtsgeschenk war?! Aber diese heile Welt ist zerbrechlich und wir sollten alle mithelfen den Frieden zu wahren, Einheit in der Vielfalt zu zeigen und in unserem Leben sinnstiftend zu wirken. Die Hirten zeigen, auf was es ankommt! Die Geburt unseres Herrn ist ihnen wichtiger als Hab und Gut, Nachtruhe und Schafherde. Sie haben nicht viel und sehen vielleicht gerade deshalb, im Gegensatz zu den Blendern und Verblendeten, mit dem Herzen mehr, wie mancher mit zwei Augen. Sie wissen um das Wunder im Stall. Sie hinterfragen nicht, sondern glauben einfach, dass hier ein Kind auf die Welt gekommen ist, das die Gesellschaft tiefgreifend verändern wird.
In unserer scheinbar aufgeklärten Welt ist das Staunen verloren gegangen. Es sind nicht die großen Geschenke, sondern es ist das kleine Wunder eines Neugeborenen, das die Eltern hoffen, staunen und glauben lässt. Versuchen wir doch einfach, es frisch gebackenen Eltern gleich zu tun. Staunen wir und freuen wir uns über das Wunder und so viel Gnade und Liebe, die uns in einem Kind zuteil wird. Das zu Ende gehende Jahr hat es wieder gezeigt, dass man die Hoffnung nicht aufgeben darf. Der Mensch denkt und Gott lenkt! Nach diesem Grundsatz versuche ich zu leben und fühle mich immer wieder darin bestätigt. Im Mai mussten wir unseren langjährigen Pfarrer Marc Grießer schweren Herzens verabschieden. Wieder einen „Hirten“ zu bekommen ist in heutiger Zeit schwerer denn je und so war die Hoffnung nicht sehr groß. Für 10 Priester unserer Diözese, die in den Ruhestand gehen, kommen zwei, vielleicht drei nach. Die Chancen standen also sehr schlecht, zumal andere Seelsorgeeinheiten noch viel dringender einen Priester gebraucht hätten. Und dann die „Gaudium Magnum“, als sich wundersamer Weise Herr Pfarrer Erhard Nentwich für uns beworben hat. Wir müssen dankbar sein für dieses große Weihnachtsgeschenk. Ich bin es aus tiefstem Herzen und wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen ein friedvolles und sinnerfülltes Weihnachtsfest und ein segensreiches Jahr 2018. Den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen danke ich für ihr Wirken in unseren Gemeinden, aber letztlich kommt es bei unserer Kirche auf dem Weg durch die Zeit auf das Engagement von allen Gemeindemitgliedern an und sei es „nur“ durch die Begleitung im Gebet. Darum bitte ich Sie!
Bernhard Theinert
Zweiter Vorsitzender des KGR Sankt Konrad