Tellerrand-Denken . /. Seelsorge-Einheit

Das Zusammenwachsen der Kirchengemeinden wird spürbar

EIGENTLICH hätte ja der Fronleichnamsgottesdienst im Alfdorfer Pfarrgarten stattfinden sollen. EIGENTLICH hätte von dort aus die Prozession zum Schlossgarten führen sollen. EIGENTLICH hätte wieder eine Blasmusik-Kapelle Messe und Prozession feierlich begleiten sollen. EIGENTLICH sollte danach ein Gemeindefest als verlängerter Tisch des Herrn mit Brot und Wein oder Rote und Bier stattfinden.

„Eigentlich“ - ein sehr einschränkendes Wort, das EIGENTLICH fast immer ein „aber“ mit Begründung, um nicht zu sagen „Ausrede“ nach sich zieht.

Dass man dieses Jahr Fronleichnam etwas anders feiern musste war EIGENTLICH klar, aber EIGENTLICH kann dieses „anders feiern“ auch ein Geschenk sein, denn so wie uns die Musikerinnen um Organist Moritz Frick beschenkt haben, lässt sich die eingeschränkte Art der Messe eines Hochfestes EIGENTLICH sehr gut „ertragen“. Seine vier Musen haben es geschafft, eine zutiefst würdige Eucharistiefeier zu gestalten und dabei einmal mehr nicht auf die lauten Töne, sondern auf liebevoll handgemachte Musik gesetzt, die, ob gesungen oder instrumental dargebracht, zu Herzen ging. Dabei besonders wohltuend: Der Orgel-Ausklang mit leisen Registern nach dem Segen. 

Man kann es nicht genug würdigen, wenn jemand über den Tellerrand hinaus schaut und, wie an Fronleichnam geschehen, die ganze Seelsorgeeinheit im Blick hat. Des Orgelvirtuosen singende Frauenpower, Susanne Frick und Daniela Bareiß (Gitarre), Sara Dyrska (Saxophon), Lucina Lehar (Querflöte), war dabei nicht die einzige Gruppierung , die SE-weit aufgestellt das große Ganze im Auge behält. Auch der Blumenteppich, nicht nur pandemie- sondern auch wetterbedingt vor dem Altar in Feinarbeit gelegt, wurde Kirchengemeinde- und Kreis-übergreifend geplant und umgesetzt. Mehr dazu im Bericht unserer Redakteurin Sandra Dyrska.

Ganz im Gegensatz zur Kirchenmusik und dem geordnet-liturgischen Ablauf stand die Lesung, die, Ironie des Schicksals, ausgerechnet der Lorcher Gewählte Vorsitzende vortragen und in der Paulus seine Korinther ermahnen musste, doch bitte nicht betrunken und lallend zur Eucharistiefeier zu erscheinen. Auch Pfarrer Nentwich unterstrich in seiner Predigt, dass das chaotische Tun dem Apostel wohl sehr missfiel, sodass er sich bemüßigt sah, denen mal die Leviten zu lesen und ihnen wieder vor Augen zu führen, was und wer in der Heiligen Messe der Zentrale Punkt ist, von dem alles ausgeht und in dem sich alles konzentriert. Das Brot des Lebens! - Und das auch noch in einer Monstranz. - Wie lächerlich?! 

Da drängt sich der Vergleich zu Niels Stensen auf: Durch die Straßen von Livorno zieht 1666 die „processione del Corpus Domini“. Am Rand steht der 28jährige Däne, einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler des 17. Jahrhunderts. Seinen Freunden berichtet er später von einer tiefen Erschütterung: „Als ich die Hostie mit so großer Pracht durch die Straßen getragen sah, regte sich in mir der Gedanke: Entweder ist jene Hostie nur ein einfaches Stück Brot – und seine Verehrer sind Toren – oder hier ist der wahre Leib Christi – und weshalb erweise ich ihm dann nicht die gebührende Ehre?” Dieses Erlebnis führte ihn ein Jahr später zur Konversion und zum Priestertum. 

In seiner Deutung des Blumenbildes, das noch von weiteren Blumenteppichen der Kommunionkinder flankiert wurde, kam Hochwürden auf die „Grundlage“ zu sprechen, die der zu-Grunde gegangene Gottessohn für seine Kirche ist. Er trägt uns als Brot des Lebens. Und nur wer sich getragen weiß, der kann auch andere tragen. Drei ineinander geschlagene Arme als Sinnbild des Dreieinen Gottes - vielleicht auch, vor Allem aber als Zeichen dafür, dass wir nur zusammen stark sein können. Und irgendwie kann man, passend zu den Medienberichten aus den USA, darin auch ein Zeichen gegen Rassismus sehen, oder?

An diesem besonderen Feiertag mussten die Pandemie-Ordner Schwerstarbeit leisten, wobei diesmal die beiden Ministranten als zusätzliche Ordner eingesprungen sind. Dass es nicht immer ohne Anfeindungen abgeht, war zu erwarten. Aus gegebenem Anlass deswegen nochmal: Es ist keine persönliche Schikane der Ordner sondern ein Erfordernis, das uns zur eigenen Sicherheit von staatlicher Seite auferlegt wird, um Gottesdienst feiern zu dürfen. Wir müssen uns gegenseitig schützen! Jeder Gottesdienst muss dem Katastrophenschutz der Stadt gemeldet werden. Die Ordnungsbehörden haben sich ausdrücklich eine stochastische Prüfung vorbehalten. Bei Missachtung der Vorschriften droht uns neben empfindlichen Strafen auch wieder ein öffentliches Gottesdienstverbot. Helfen Sie mit, haben sie Verständnis für unsere momentane Situation und melden Sie sich zu den Öffnungszeiten unserer Sekretariate zu den nächsten Gottesdiensten an. Ärgern wir uns nicht über die Sicherheitsvorschriften, sondern freuen wir uns, dass die gemeinsame Messfeier möglich ist. Deus lo vult!

Bilder & Text:  Bernhard Theinert