Spontan-Gottesdienst in Sankt Konrad

Eigentlich wollte er nur üben, aber dann wurde unversehens daraus ein Spontan-Gottesdienst in Sankt Konrad

Sonntag Vormittag und keine Messe?! Eine Situation, an die sich nicht nur Gläubige und Priester gewöhnen müssen. Auch unsere Organisten, die an dem Tag sonst immer mit dem Pfarrer zusammen oft genug zwei Gottesdienste stemmen durften, haben nun unfreiwillig freie Termine.
Harald Elser, sonst an den Wochenenden als Kirchenmusiker auch in der Seelsorgeeinheit Lorch-Alfdorf unterwegs, wollte die nun freie Zeit einfach nutzen, um ein paar alte Orgelschlager aufzupolieren und geriet ganz unabsichtlich in den Sog eines kurzen Gottesdienstes, den er natürlich mit der „Queen of Instrumente“ auch noch zu befeuern wusste.

Als er um 10:17 Uhr die Kirche betrat und es sich an der Orgel richtig ungemütlich gemacht hatte, betrat auch der gewählte Vorsitzende das Gotteshaus, um nach dem Rechten zu sehen und zum kurzen Gebet zu verweilen, als er zur Linken auf der Empore Registerklappern vernahm. Und dann brach auch schon der Eingangschoral der „Suite Gothique“ los, gefolgt von einer Elser-Interpretation des ökumenischen Kirchenliedes „Nun jauchzt dem Herren alle Welt, kommt her, zu seinem Dienst euch stellt“. Dieser Aufforderung konnte sich der Kirchenchef nicht entziehen und bewaffnete sich mit Lektionar und Kantorenbuch. 

Der Zwischengesang des 3. Sonntags der Osterzeit „Ich gehe meinen Weg vor Gott im Lande der Lebenden“ samt Psalm 16 wurde so aus dem Stehgreif wortlos abgesprochen und sangesgewaltig musikalisch im Wechsel von Empore und Ambo vor den Herrn gebracht. Elser ist Profi, da kann ihm auch ein zeitweise unsicherer Laien-Kantor nichts anhaben. Der Zwischengesang mündete fließend in ein fulminantes Alleluia, das auch das Evangelium nach Johannes abschließend bekräftigte. Sie kennen das Prozedere des Wortgottesdienstes. 

Mittlerweile hatten sich immer wieder zufällig vorbeikommende Passanten im Sicherheitsabstand am Eingang eingefunden und eine Weile zugehört. Wer an diesem Sonntag-Vormittag zufällig in der Kirche war, wurde so mit einer Orgel-Matinee samt Kurzgottesdienst belohnt, wie man das nur selten geboten bekommt. 

Was nach dem geistlichen Impuls folgte, könnte man als kleinen Höhepunkt bezeichnen: Harald Elser am Didgeridoo mit einer Improvisation über „Furcht und Staunen der Jünger am See“, also dem Inhalt des sonntäglichen Evangeliums. 

Nach dem Abschlussgebet konnte man ihn dann wieder wie gewohnt an der Orgel mit „Wo die Güte und die Liebe wohnt, dort nur wohnt der Herr“ hören.

Der krönende Abschluss allerdings war ein Rausschmeißer zum Dableiben: „Land of Hope and Glory“ von Elgar à la Elser. 

Tja, war wohl nix mit Üben?! Dafür haben Sie die wenigen maskierten stillen Beter, viele hätten es ja ohnehin nicht sein dürfen, und ein paar Türsteher reich mit Ihrer Musik beschenkt!  Vergelt*s Gott! Gerne wieder!   Text & Bilder: Bernhard Theinert