Reiche Ernte eines langen Lebens!

Ein besonderer Gottesdienst zu Erntedank in Sankt Konrad.

Ob in Politik oder Wissenschaft, in der Gesellschaft oder in Zeiten einer Pandemie, Verschwörungstheoretiker lieben simple Erklärungen für komplexe Zusammenhänge. Zwischenmenschliche Beziehungen sind immer kompliziert. Probieren wir’s also: 

Die Familie ist ein Grundpfeiler der Gesellschaft. Die Ehe ist ein Grundpfeiler der Familie. Liebe ist der Grundpfeiler der Ehe. Gott ist die Liebe. 

So gesehen war die Eucharistiefeier am ersten Sonntag im Oktober zentraler Ort „verschworener“ Gemeinschaften, die allerdings alles andere als „Theoretiker“, sondern zutiefst im Leben stehende Menschen sind. Sie haben sich vor 50, bzw. 60 Jahren gegenseitig ein Leben lang Treue versprochen. In dieser unsteten Welt eine so lange Zeit Kontinuität erleben zu dürfen ist schon eine ganz besondere Erfahrung. Für die Eheleute selbst genauso, wie für ihre Angehörigen und für uns alle. Vorbilder? Gewiss, aber es gehört halt doch auch „Glück“ dazu. Am Anfang das glückliche verliebt sein, später das Glück, gemeinsam eine Familie aufbauen zu dürfen und auch schwere Stunden gemeinsam zu meistern. Eine glückliche Hand bei der Kindererziehung, eine einigermaßen robuste Gesundheit... Gewiss ist das, was wir Glück nennen, notwendig für eine lang anhaltende liebevolle Partnerschaft. Oft genug geht die große Liebe in Routine über und die gegenseitige Wertschätzung lässt nach. Wer so lange Jahre „in Freud und Leid“ zueinander gestanden hat, der hat sich gegenseitig immer wieder neu entdeckt und sieht es nicht nur als seinen eigenen Verdienst an, solange füreinander eingestanden und da gewesen zu sein. Was wir Glück nennen ist vielleicht doch zu einem erheblichen Maße Fügung. Und so schwingt an diesem Tag eine Welle der Dankbarkeit an den mit, der uns das „eingebrockt“ hat.

Erntedank ist ein guter Zeitpunkt um Résumé zu ziehen. Um über Gott und die Welt nachzudenken, um still zu werden und dankbar zu sein. Viele Paare haben eine reiche Ernte eingefahren. Deutlichstes Zeichen: Die Familie, die sie getragen haben, die aber auch die Eheleute getragen hat. 

Was an Ernte eingebracht wird, das hängt von den Umständen eines ganzen Jahres und von der Erfahrung dessen ab, der die Saat ausbringt und sich müht. Erntedank und Ehe unterscheiden sich da (bis auf die Zeiträume) wenig.

Ein schöner Nebeneffekt: der Pandemie-bedingt eingedampfte Kirchenchor hatte sich zu diesem Anlass die Ehre und sein erstes Stelldichein seit sieben Monaten gegeben. Der große Abstand zueinander erleichtert das Singen miteinander zwar nicht gerade, intensivierte dafür aber die zwischenmenschliche Nähe umso mehr. So waren unter der bewährten Leitung eines Harald Elser immerhin elf Sänger*Innen gekommen, die sich voller Freude auf die wichtigste Nebensache im Gottesdienst eingelassen haben. Nur gut, dass der Chorleiter ein hohes Maß an musikalischem Improvisationstalent besitzt, das Herr Pfarrer Nentwich zu wecken wagte, als er den sechs anwesenden Paaren den Einzel-Segen für die nächste Halbzeit zusprach. Herzlichst gratulieren wir allen, die in diesem Jahr ein Ehejubiläum feiern dürfen. So auch den Ehepaaren

Edith & Anton Reiter
Rosemarie & Karl Peischl
Ute & Gerhard Heinrich (50 Jahre)
Ella und Peter Muth
Leni und Anton Bihler
Edeltraud & Kurt Klenk (60 Jahre).

Text & Bilder:  B.Theinert