Prozession an Fronleichnam ohne Blaulicht

In der guten alten Zeit, also vor einem Jahr, war die Polizei noch mit zwei Einsatzfahrzeugen vor Ort, um Prozessions-Teilnehmer und -Weg zu sichern. Und von der Bevölkerung wurde, durch Blaulicht angekündigt, die katholische Glaubensdemonstration auf der Wegstrecke zum und vom Außenaltar ja auch gleich viel ernsthafter wahrgenommen. Aber leider gab es dieses Jahr nur noch eine strenge Verordnung vom Landratsamt. Vorneweg sei eine Lanze für die Polizei gebrochen: Der Ostalbkreis hat wohl polizeilich die dünnste Personaldecke in Baden-Württemberg und leistet sowieso schon ein immenses und immer größer werdendes Arbeitspensum! Auch deswegen musste die Prozession in Lorch dieses Jahr vom Veranstalter selbst gesichert werden. Um Namen zu nennen: Hans-Peter Sauter hat Absperrungen und Zugüberwachung teilweise selbst in die Hand genommen, zumindest aber alles eng mit seinen Ordnern abgestimmt. Im Nachhinein gesehen: Es hat auch so hervorragend funktioniert. Genauso, wie die Bewirtung beim Gemeindefest hernach im Zentrum von Sankt Konrad. Hand in Hand haben die Küchendamen um Frau Lutz den Andrang gestemmt und auch die dankenswerten Kuchenspenden samt Kaffee an Frau und Mann gebracht. 

Am Außenaltar, also im Girls-Camp von Rose Schwab, waren Bedenken aufgekommen, dass man den nachkonziliar nun möglichen und im Blumenteppich dargestellten sogenannten „Handaltar“ nicht als solchen erkennen könne. Grundlos, wie das Foto anbei zeigt: Die langwierige Arbeit von Vortag und frühem Donnerstag-Morgen und das Ergebnis zahlreicher Blumenspenden, auch und überwiegend aus evangelischen Haushalten, hat sich gelohnt! Das ist keine Ökumene, das ist schlicht und einfach gelebtes Miteinander unterschiedlicher Konfessionen. 

9:34 Uhr: Das durch Alfdorfer und Waldhäuser Ministranten aufgestockte Ministerium unter Pfarrer Dr. Reddimasu betritt zu den Klängen der Stadtkapelle die Kirche Sankt Konrad und eröffnet den festlichen Gottesdienst. Was die Musiker der Stadt, diskret von unserem Zeremonienmeister Christoph Ziermann angeleitet und von Martin Gieschen dirigiert, hier wieder abgeliefert haben war Gänsehaut-Feeling pur. Immer wieder ein Erlebnis, die Bläser mit ihrem kräftigen und doch weichen Klang im Gottesdienst zu haben. Auch Moritz Frick an der Orgel, ein Vertreter der zu unrecht viel gescholtenen „Jugend von heute“, ist sich nie für neue Ideen zu schade. Es macht Hoffnung, so viele Menschen gemeinsam musizieren zu hören. 

Das gilt auch für die Schola Cantorum Lorchensis, die ihre liturgische Begabung vor Allem im Gregorianischen Choral beweisen konnte. „Lauda sion salvatorem“, um nur einen Titel, nämlich den der inegal schwingenden Fronleichnams-Sequenz vor dem Halleluja zu nennen. 

Gegen das, was Frau Abele im Pfarrbüro in den Tagen zuvor leisten musste, um alle ehrenamtlichen Helfer zusammen zu trommeln, war „das bisschen Schwitzen“ des Auf- und Abbauteams eher sportliche Erholung. Allerdings liegt das gleiche Pensum an Arbeit in den Händen immer weniger werdender ehrenamtlicher Mitarbeiter. Oder, um es noch deutlicher zu sagen:  Die Kirche lebt von den Gemeindemitgliedern, die anpacken. Jeder darf sich aufgerufen fühlen, seinen Beitrag zu leisten!

Fazit: Es wird nicht unbedingt leichter, ein solches Fest mit Inhalt und Prozession, bei letzterem im wahrsten Sinne des Wortes, auf die Füße zustellen, aber es lohnt sich immer noch, und nicht nur aus glaubenstechnischen Gründen. Rituale geben Sicherheit und fördern die Gemeinschaft!  Helfen Sie mit, dass es so bleibt!

Bernhard Theinert 

Zweiter Vorsitzender
KGR Sankt Konrad