Julia Daniello und die Urgewalt des Curry

Nein, sie ist nicht die Titelheldin eines Groschenromanes, wie der Titel implizieren könnte, gleichwohl aber die Protagonistin einer weltumspannenden Interaktion zwischen Alfdorf, Waldhausen und Hyderabad. 

Die Welt ist klein, die Seelsorgeeinheit vakant und ein Priester aus Indien geistlicher Versorger der Gemeinde. Dr. Papaiah Reddimasu hat seine Heimat, dort wo der Pfeffer wächst, verlassen und hilft bis 20. Juli in unseren Gemeinden bei Gottesdiensten und  Kasualien aus. 

Wie Julia, sonst selbst versierte Köcherin, auf die Idee gekommen ist, dass ein Pfarrer, entgegen unseren bisherigen Erfahrungen, auch kochen könnte? Man(n) weiß es nicht. Die unkomplizierte, aber emotionale Art, ihre wohltuende Ehrlichkeit und die richtige Intuition, haben sie frisch frei frech fromm fragen lassen. Und der gute Peter („Papapiah“ darf man getrost so übersetzen) weiß nichts besseres, als die Lorcher Männer zu brüskieren und „Ja, natürlich“ zu sagen. „Auch für 40 Personen allen Alters?“ „Freilich!“ Frau Daniello hatte wieder mal gewonnen: „Samstag, 17. Juni, nach der Abendmesse!“ Wer sie kennt, der weiß, dass man bei so viel Charme und natürlicher Überzeugungskraft nicht mal auf die Idee kommen kann, nein zu sagen. 

Die Alfdorfer Messnerin, Frau Veit, war mit Herrn Pfarrer Reddimasu zwischen Gmünd und Stuttgart unterwegs gewesen, um die speziellen Gewürze und Zutaten zu besorgen und ab 14:00 Uhr wurde an diesem denkwürdigen Samstag im Gemeindezentrum Alfdorf und später in Sankt Elisabeth geschnippelt, gewerkelt und gekocht was das Zeug hielt und die Küchen hergaben.   

Das kochende Personal für Waldhausen war irgendwie folgerichtig zusammengestellt worden: Der Venezianer Marco Polo hat schon im 13ten Jahrhundert Hindustan und Ceylon bereist und die ersten Schiffsladungen Tee und Gewürze in Italien gelöscht. Eine Verbindung mit Indien und dem heutigen Sri Lanka gibt es demnach seit dem Mittelalter. Wir haben diese also in Sankt Elisabeth nur wieder aufleben lassen.

„Ich habe Sorge, große Sorge, dass das alles etwas zu scharf…!“ So die mittlerweile bedenklich nachdenklich gewordene Initiatorin von det Janze. 

Mit Recht. In der heißen Mitte Indiens ist scharfes Essen schon aus hygienischen und internistischen Gründen sogar ein Muss. Aber ob das unsere mitteleuropäischen Gaumen und mehr…? Es wird nie so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Gilt das auch für die Schärfe? Herr Dr. waren sich durch vorhergehende Aufenthalte in Deutschland darüber schon im Klaren: Man muss mit den empfindsamen Geschmacksnerven von uns noch empfindsameren Mitteleuropäern schonend umgehen. Ja, es war würzig, aber die Schärfe konnte man nur erahnen, zumal Hochwürden den extrascharfen Madras-Curry gegen die Damenvariante ausgetauscht hat. 

Würde man jetzt, einen Tag später sagen: Verdauungstechnisch nach wie vor alles im grünen Bereich, dann hört sich das zwar irgendwie eher krank an, ist aber internistisch gesehen als positives Signal zu werten. Und zudem wäre der zum Essen gereichte italienische Wein locker in der Lage gewesen, brandgefährliche Substanzen zu neutralisieren. Da war sie wieder, die weltumspannende mittelalterliche Verbindung, diesmal auf  kulinarischer Ebene!

Waren es die speziellen Zutaten, waren es die geheimen Curry-Rezepturen, war es die segensreiche Hand des Aushilfspriesters? Je länger der Abend, umso leichtfüßiger die Damen. Wenn eine hoch gewachsene und gut aussehende Brasilianerin mit zwei zierlichen Singhalesinnen im schwäbischen Lorch auf Hindi-Musik indisch tanzt, dann könnte einem das durchaus spanisch vorkommen, war aber so bezaubernd anzusehen, dass selbst unser Administrator, Pfarrvikar Klinkosz, unbedingt mit einer der Tänzerinnen digitalfotographisch verewigt werden wollte. 

Jeder bringt eben seine Begabungen in die Gemeinschaft ein. Zuvor hatte der weitgereiste Pfarrer aus Indien in der Predigt am Vorabend zum 11. Sonntag genau das deutlich angesprochen: „Wenn jeder seinen Beitrag leistet, dann wächst und gedeiht Gemeinde. Weckt also die geistig/geistlich toten! Jeder hat ein Talent, das der Gemeinschaft Freude machen kann.“

Und trotzdem sollte man die dritte Strophe von GL 842 nicht außer Acht lassen. Die auch liturgisch bewanderte Organistin Susanne Walcher-Fischer hatte das Lied treffsicher zum Abschluss gewählt: 

„Es ist umsonst: kein Witz noch Kunst hilft wider Gottes Willen!“ 

Und um jetzt grad mit Fleiß noch einen Wortwitz anzufügen: 

Vom Kyrie zum Curry ist es in Sankt Elisabeth nur ein kurzer Weg!

Bernhard Theinert, Gourmeckle und Vorkoster für danach