Hoher Wasserstand und „kleine“ Helden

Man müsste einige Lanzen brechen, um alle, die während und nach der ersten Jahrtausendflut in Lorch mit angepackt und zum Teil leider auch in undifferenzierte Kritik geraten sind, positiv hervorzuheben. 

Fangen wir doch einfach bei der Feuerwehr an. Rund um die Uhr im Einsatz, von Betroffen sehnsüchtig erwartet und verblödeten Besserwissern bisweilen heftig beschimpft, weil sie erstaunlicherweise nicht immer überall gleichzeitig sein konnte, hat sie trotzdem eine fast übermenschliche Leistung erbracht und ist dabei von ihren Kameraden aus Schwäbisch Gmünd unterstützt worden. Netzwerken lohnt sich. Ebenso die Mitarbeiter des Roten Kreuzes und des THW, wie die Feuerwehr ehrenamtlich unterwegs, waren sie an unzähligen Einsatzstellen am Helfen. 

Viele von uns nehmen es immer als selbstverständlich hin, dass es Ehrenamtliche gibt, die ständig Bereitschaft schieben und sich durch Übungen eben auch für den Ernstfall „Lorcher Flut“ in jeder Hinsicht fit halten. 

Vielleicht ist so ein einschneidendes Ereignis drondernai auch mal Anlass für Manche, selbst darüber nachzudenken, ehrenamtlich tätig zu werden und nicht immer nur nach dem Staat, bzw. der Stadt zu rufen?!  Es muss ja nicht im Katastrophenschutz sein. Die Alten- und Pflegeheime im Stadtgebiet wären auch eine gute Beschäftigungsmöglichkeit. Im Hospiz-Verein werden dringend empathische Helfer gesucht und der Sozialverband ist sicher auch froh über neue aktive Mitglieder. Oder die Pflegschaft für eine Bauminsel der Stadt zu übernehmen…Warum nicht? Oder gar, wie uncool, in der Kirche und deren Einrichtungen aktiv dabei zu sein. Ich kenne Menschen, die machen das sogar neben manch anderem Ehrenamt.

All denen, die bereits soziale Verantwortung übernommen haben und diese trotz immer größer werdender Belastung und Bürokratie weiterhin wahrnehmen sei hier ausdrücklich Dank und Lob gezollt. Sie können sich nichts dafür kaufen, aber sie sollen wissen, dass es Menschen gibt, die ihren Einsatz wertschätzen. 

Die Stadtoberen wiederum wissen, dass es ohne Sie alle nicht geht und sind sich gleichzeitig auch ihrer eigenen Verantwortung bewusst. Das Krisenmanagement des Rathauses (selbst betroffen, da durch unfreundlich auftretende Wassermassen informationsmäßig von der Welt abgeschnitten) war vorbildlich. Der Bauhof, wie oben genannte gemeinnützige Organisationen, rund um die Uhr im Einsatz. Container wurden sehr schnell und absolut unbürokratisch zur Verfügung gestellt und selbst die Einnahmen vom Wasserzins hat sich die Stadt beschnitten, um den betroffenen Einwohnern wenigstens die Säuberungsarbeiten monetär etwas zu erleichtern.

Was wird jetzt wieder gemeckert und gescholten, dass das Kanalsystem nicht schnell genug ausgebaut worden sei, dass man schon längst ein Hochwasserkonzept für den Götzenbach hätte umsetzen müssen…Es werden wieder Schuldige gesucht. Allein: es gibt keine! Wenn, dann sind wir alle schuld daran. Häuser neben dem Bach einen Meter tiefer setzen, damit man auch wirklich sechs Wohnungen darin unterbringen kann; ebendiese Bäche immer mehr einzuengen, dass eine natürliche Überflutung angrenzender Wiesen nicht mehr möglich ist, zu kleine Verdohlungen, die ein bisschen Gestrüpp und Schlamm zu setzt. Es sind sicher auch die hausgemachten Altlasten und zunehmenden Versiegelungsflächen, die uns nun zu schaffen machen.

Und dann hat die Aufarbeitung der Schäden wieder einmal gezeigt, wie dünn doch die Decke der Zivilisation ist. Auch jetzt gab es wieder Beispiele mangelnden Gemeinschaftssinns: Vom Streit über den Standpunkt der Container, über hartnäckiges Verteidigen des Pkw-Stellplatzes an der Straße, der als Containerstandpunkt hätte dienen sollen, bis zur Reihenfolge der auszupumpenden Keller herrschte mancherorts wieder mal die ellenbogenbewehrte Macht des Egoismus. Ich zuerst! Und dann immer sofort der vorwurfsvolle Schrei nach der Stadt, die den Garten, der vom unflätigen Bach zugemüllt worden ist, wieder sauber machen soll. Es sind die selben Mitbürger, die sich über die Steuerlast beklagen. Aber was der Staat / die Stadt tut, das muss irgendwie bezahlt werden! Aus welchem Säckel wohl? 

Der Keller der katholischen Kirche Sankt Konrad, des zugehörigen Kindergartens und der Kirche Sankt Elisabeth in Waldhausen sind auch stark betroffen. Weihwasser war das, was da in den Kellern stand sicher nicht, sondern eine Sauerei sondergleichen. Aber, und jetzt ein Gegenbeispiel, hier haben Eltern, die selbst vom Hochwasser betroffen waren, genauso wie diverse Kirchengemeinderäte und vor allem umsichtige Mesner, deren eigene Keller unter Wasser standen, geholfen, bevor sie sich dem eigenen Schaden zugewandt haben! Nur ein Beispiel von vielen in Lorch und Waldhausen. Respekt! Eine Gemeinschaft, die so handelt, geht aus solchen Katastrophen gestärkt hervor und ist es wert, sich als „zivilisiert“ bezeichnen zu dürfen.

Seien wir dankbar, dass, außer kleineren Blessuren, niemand ernsthaft verletzt worden ist und „baden“ wir nun auch die Folgen dieses Klimawandel-bedingten Ereignisses in sozialer Eintracht gemeinsam aus. Die Endabrechnung können wir ja Donald Trump schicken.

Trotz Allem ist es beruhigend zu wissen, dass es sie immer noch gibt, die „kleinen“ Helden, privat, aber auch organisiert. Deswegen und weil ich es nicht kann:  Vergelt’s Gott !

Bernhard Theinert

Bürger der Stadt Lorch