Fünf Stimmen für ein Halleluja

Kostenloses EKG³ am Dreifaltigkeitssonntag in Sankt Konrad

Elser, Keller, Glump, Göppinger, Golinski, um die Namen gleich am Anfang genannt zu haben, waren die fünf scholaren Protagonisten am 7. Juni in der Messe um 10:30 Uhr. 

Strenge Vorsichtsmaßnahmen unter den überall gleichzeitig hinschauenden gefühlten 59 Argusaugen des Sicherheitsbeauftragten Hansi Radler machten einen Gottesdienst möglich, wie ihn der demütige Hörer am meisten schätzt. Die menschliche Stimme, und erstrecht die von so Lombamenschla wie den oben Genannten, ist und bleibt das wertvollste Instrument überhaupt. Da kommt sogar eine Harald-Elser-geschlagene Reiser-Orgel nicht mit. „Das Schöne ist der Glanz des Wahren“, um es mit einem von Romano Guardinis Lieblingszitaten zu sagen. Schon Platon war dieser Meinung und Augustinus, oder vielleicht auch Thomas von Aquin sollen diesen Satz geprägt haben. Hier passt’s jedenfalls! Es war wohl tatsächlich eine Herzenssache der Damen, die Gemeinde xanglich zu ersetzen und das hörte man auch. Den Namen EKG³-Schola haben sie sich damit redlich verdient. Nur in einem guten Herzen wohnt eine gute Seele! 

Die gute Seele des Gotteshauses in Personalunion mit dem Lorcher Lieblingspfarrer hingegen „verstieg" sich in der Predigt dazu, in einem Hölderlin-Zitat die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus aufblitzen zu lassen. „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ Hier eine Reminiszenz zu sehen, würde dem flüchtigen Betrachter wohl eher nicht einfallen, wenn Hölderlin sagt „Wo die Gefahr ist, wächst das Rettende auch!“ 

Ein schöner Einstieg in eine Predigt, die die Gemeinde in dieser etwas bedrängten Zeit erst mal aufhorchen lässt. Einmal mehr sollte das schlechte Gewissen des Hörers spätestens dann hervorgebrochen sein, als unser Pfarrer mit feinen Worten dafür geworben hat, den Mut zu haben, auch mal nichts zu erwidern, das einem angetane Unrecht so stehen zu lassen und nicht sofort die verbale Keule auszupacken. Wichtigste Bemerkung der Ansprache frei formuliert: Nicht auf andere zeigen, sondern mit Veränderung immer bei sich selbst anfangen!

Chorleiter Elser hat das wohl ernst und die Möglichkeit der Veränderung zumindest im kirchenmusikalischer Hinsicht wahr-genommen. Neue Lieder im Gotteslob jetzt vor den Herrn und den Gemeindemitgliedern näher zu bringen ist eine gute Taktik, um später, wenn die Menschen wieder frei singen dürfen, darauf aufzubauen. Leicht hat es Harald Elser der Frauenschola nicht gemacht und durchaus anspruchsvolles neues Liedgut ausgewählt.

Selbst ein gesanglicher Geburtstagsgruß für die Juni-Geborenen, und derer gibt es etliche, war am Schluss noch drin. Den knallharten Gewählten Vorsitzenden sah man da zum ersten Mal eine halbe Träne verdrücken. Es kommt aber auch selten vor, dass Engelchöre „normal“-sterblichen Menschen ein Ständchen singen. 

Bleibt zu hoffen, dass diese gesangliche FrauenPower weiterhin eben gerade nicht stimmgewaltig, sondern einfühlsam die Seelen der Lorcher Katholiken zum Schwingen bringt.  
Bild: Hansi Radler,  Text: Bernhard Theinert