Es ist nichts Neues, dass Katholiken gerne mit Weihrauch zündeln.

„Schwelbrand mit starker Rauchentwicklung“

war allerdings auch die Ursache für einen Großeinsatz der Lorcher Feuerwehr am Montag Abend des 18. November bei und in der katholischen Kirche in Waldhausen.

Scheinbar hatten drei Einbrecher dort die Kellertür aufgebrochen, sich über die teuren ökologisch-dynamischen Bio-Messwein-Bestände hergemacht und durch unachtsam weggeworfene Zigarrenstummel einen Brandherd gelegt, der auch die Stromleitungen in Mitleidenschaft gezogen hat. Die scheinbar gut Angetrunkenen hatten den Rauch nicht gleich bemerkt und sind mit einer Leiter aus dem Keller zum hinteren Teil der Kirche gezogen, wo sie, laut Ermittlungen der Feuerwehr, alle drei als Mutprobe aufs Kirchendach steigen wollten. Einer hatte es sich dort oben an der höchsten Stelle mit einer Flasche heiligen Trunkes schon gemütlich gemacht, als ein Nachbar Rauch aus dem Keller steigen und auch den Mann mit dem Kreuz im Arm oben sitzen sah. Innerhalb von 4 Minuten und 68 Sekunden waren 4 Einsatzfahrzeuge, inkl. einer Drehleiter und zwei Kleinbussen vor Ort um Sofortmaßnahmen einzuleiten.  

Während die Drehleiter zum Dach hin ausgefahren werden musste, kümmerten sich Spezialkräfte mit schwerem Atemgerät um den Brandherd im Keller, wobei ein Bewegungsunfähiger gerettet werden musste, der sich später zum Glück nur als lebensechte Groß-Puppe mit Rauchvergiftung ent-puppte. Und um das Explodieren der Flaschen im Getränkelager zu verhindern wurden diese „nebenbei“ mit Löschwasser gekühlt. Auch Feuerwehrfachkräfte müssen Prioritäten setzen.

Unterdessen war der scheinbar äußerst angeheiterte Wettergockel auf dem Dach gegen seinen Willen mit einer Bahre heruntergeholt und erstversorgt worden, wobei man mit Verwunderung feststellen musste, dass es sich um den in jeder Hinsicht nüchternen diensthabenden Einsatzleiter handelte.

Der Rettungstrupp im Keller konnte derweil beim besten Willen nicht verhindern, dass durch Lüftungskanäle beißender Rauch vom Schwelbrand im Keller in den Kirchenraum gelangte, was die beiden Retter mit Atemgerät zu einem Blindflug in die Kirche zwang, um dort nach eventuellen Opfern zu suchen. Was sich dabei herausgestellt hat ist hanebüchen: Die zwei anderen Diebe, die es noch nicht aufs Dach geschafft hatten, waren unter Berufung auf das Kirchenasyl in das Gebäude eingedrungen, dort von Stromaus- und Weihraucheinfall  überrascht worden und in Panik geraten. Der (ge-)wichtigere Ältere muss dabei über die Altarstufen gestolpert und dermaßen unglücklich gefallen sein, dass er sich selbst „ins Knie geschossen“ hat. Beim Aufprall konnte zudem eine größere Vase des Blumenschmucks am Ambo dem Dickschädel des Fallenden nicht mehr standhalten. Nach eigenen Aussagen war der Mann nur kurzzeitig „nicht ganz bei sich“ und konnte von seinen Rettern in Schwerstarbeit zum Ausgang geschleift werden. Die eingebrachte Druckbelüftung hatte das Sichtfeld dafür mittlerweile ausgeweitet, was auch eine schnelle Rettung des zweiten, allerdings bewegungs- und kommunikationsunfähigen Eindringlings aus den Kirchenbänken erleichterte. Am Ausgang geschah dann unter Einwirkung von Weihwasser etwas, was quasi als Wunderheilung von Waldhausen in die Analen der Kirchengeschichte eingehen wird: Während der Erstgerettete sich zur Überraschung der Schaulustigen als Chef der Kirchengemeinde entpuppte und völlig beschwerdefrei fröhlich zu Psalm 30 „Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell.“ ins gleißende Licht der Scheinwerfer stolperte, verließ der zuvor leblos wirkende jüngere Mann springend wie ein junger Hirsch die Gefahrenzone. 

Eine Woche später, am 25. November, dann die Heimsuchung der Pfarrkirche Sankt Konrad in Lorch mit ähnlichem Szenario wie in Waldhausen. Da allerdings mit erschwerten Bedingen bei Zufahrt, Komplexität des Gebäudes und der Größenverhältnisse. Aber auch hier gilt: Der Feuerwehr ist nix zu schwer !  Schnelligkeit und Kompetenz, selbst der „Azubis“, sind bemerkenswert. Ein vom selbstverschuldeten Glasbruch leicht verletztes KGR-Mitglied wurde im dortigen verrauchten Keller fachfraulich medizinisch-humoristisch so gut erstversorgt, dass seine Zweitversorgung und die Schockbehandlung nur noch in Form von je einer Flasche Radler nötig war.

Die beiden groß angelegten Übungen waren tatsächlich fester Bestandteil der Ausbildung und des Trainings der Mannschaften der FREIWILLIGEN Feuerwehr. Zudem konnten zur Zufriedenheit unseres Sicherheitsbeauftragten, Hansi Radler, unter fachkundiger Anleitung des Kommandanten Marco Wahl, Gefahrenstellen aufgedeckt und öffentliche Gebäude vorab feuertechnisch erkundet werden, was den Einsatz bei einem eventuellen Ernstfall erheblich vereinfacht.

Das Fazit des Gewählten Vorsitzenden der Kirchengemeinde bei der anschließenden gemütlichen „Florians-Andacht“ mit Umtrunk und Imbiss im Gemeindezentrum hörte sich trotz beeindruckender Höchstleistung der Feuerwehr enttäuscht an. Er hatte sich eingebildet, von 12 Feuerwehr-Jungfrauen auf Wolke Sieben unter Absingen von Hosianna- und Alleluia-Gesängen engelsgleich aus der Kirche getragen zu werden. Immerhin: gut aussehende Firefighter*Innen war bei beiden Übungen,  ihren Mann stehend, dabei und ließen genauso wenig anbrennen wie ihre Kameraden. 

Was hier zum Wohle der Bürger ehrenamtlich und über alle Maßen engagiert geleistet wird, lässt gerade bei diesen Kirchen-Übungen die Losung der Floriansjünger wahr werden: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!“

Kollateralschaden: 1 Blumenvase, 1 Fensterscheibe, 9½ Flaschen Bier, 3 Kisten Sprudel, 67 Maultaschen im Teigschlauch, fast eine Flasche Chianti in der Soße und 11 kg K-Salat, kredenzt von Julia Daniello und Romina Capezzuto,

„Gut Schlauch, gut Wehr, gut Heil“.