Die Lorcher BACCH-Schola !

„Auferstanden aus Ruinen“ der Corona-Krise feiert sie fröhliche Urständ:

Birgit, Annette, Cornelia und Christiane haben den Aufruf unseres Pfarrers zur tätigen Teilnahme am Gottesdienst in Corona-Zeiten ernst und Harald Elser diesen auf die leichte Schulter genommen. Die große H-Moll-Messe des nicht ganz korrekt geschriebenen Namensgebers wollen sich die Gloria-reichen Fünf (zunächst) nicht auf die Fahne schreiben, sondern das Mitwirken an Volkesstatt beim Gottesdienst. 

„Bete Du in uns, wo wir stumm bleiben!“ aus dem bekannten Pfingstlied „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ war wohl die Initialzündung zu solch fruchtbarem Sangestun und am 7. Sonntag der Osterzeit, also in der Pfingst-Novene, schon Thema in der Eucharistiefeier, in der The Froilines under conduction of Master Harry ihr Debüt gegeben haben. 

Nach dem Motto „Wie der Herr, so‘s G‘scherr!“ sind die jungen Frauen mittleren Alters mit schönen weichen und runden Stimmen in ihre neue Lebensphase als Scholasängerinnen gestartet. Alle Achtung! Da gehört neben fachkundiger Anweisung auch viel Mut dazu, als Vierer-Ensemble die ganze Gemeinde, der ja das Singen von Amts wegen verboten ist, zu ersetzen. Wie in den Gottesdiensten zuvor die Schola Cantorum Lorchensis „singen sie für uns, wo wir stumm bleiben“ müssen. „Wahrlich, ich sage euch“: Es war eine Bereicherung dieses Gottesdienstes ohne Gemeindegesang! 

Zumindest einen Streifschuss hatte der Heilige Geist wohl schon eine Woche zuvor so geschickt platziert, dass Querschläger auch die vier sanft-mutigen Damen getroffen haben müssen. Wie freute ich mich, als man mir sagte, dass es endlich einen Wechselgesang zwischen Sedilien-Sängern und Harald-Hetären in Sankt Konrad geben würde. Natürlich nach epidemiologischen Vorgaben räumlich streng getrennt in die leichtfüßig um den Altar schwebenden Macho-Männer und die Orgel-basierte Elser-Elite.

Am Pfingsten hatte sich so ein kleiner Meistersinger-Wettstreit mit dem harten Kern der Schola Cantorum ergeben, der zum Lobe Gottes alle nur gewinnen ließ. Das Männer-Ensemble, bestehend aus Bernd Hummel, Franz Treuer, Hansi Radler und Bernhard Theinert, gewohnt meisterhaft-monoTon-meditativ, die eingangs genannten Damen der BACCH-Schola, verstärkt durch Joana Golinski, dagegen frisch-fromm-fröhlich-frei. Im Gegensatz liegt das Geheimnis des Erfolges! 

Dass alle Beteiligten mit Herz UND Verstand dabei waren hat man geradezu merken müssen und neben dem glaubenstechnischen „Hintergrund“ war auch die Freude am gemeinsamen Musizieren zu spüren. 

Beide Schola-Gruppen erheben übrigens keinen Anspruch auf musiktechnische Vollkommenheit. Im Gegentum: Frau/man will nur minimal gleicher unter Gleichen in der Gemeinde sein. Im Vordergrund steht tatsächlich tätige Teilnahme an der Eucharistiefeier. „Von Laien für Laien“ ist die Devise und sie macht einen Gottesdienst gleichermaßen erhebend wie interessant. 

Ziagamlederle, Didgeridoo, Gitarre, Saxophon, Sackpfeife, Zitter, TinWhistle; dass an diesem Pfingstmontag, wie auch bei der ewigen Anbetung am Donnerstag davor so viele Musikinstrumente auf und vor dem Altar „geopfert“ wurden, sollte den Aufruf des Pfarrers unterstreichen, der alle Gemeindemitglieder mit Stimme oder Instrument oder beidem herzlichst gebeten hatte, es den Dam- und Herrschaften der Doppelschola gleich zu tun! SIE können nichts falsch machen. Trauen SIE sich! Unser Lorcher Dom-Organist und Kantor Harald Elser in seiner gnadenlosen Güte und Musikalität freut sich auf SIE. Weitere Ansprechpartner dafür in Lorch und Waldhausen sind Herr Bernd Hummel, in Alfdorf Moritz Frick, unsere Pfarrbüros und natürlich Pfarrer Erhard Nentwich, der predigthalber zurecht den Heiligen Geist auch im musikalischen Miteinander wähnte. Dass er den Gewählten Vorsitzenden auch noch dazu genötigt hat, ein paar Instrumente vorzustöllen und dönsölben Flötentöne zu entlöcken ist sicher nicht auf ungeteilte Zustimmung gestoßen. Ein Signalhorn der Bundeswehr oder eine Great-Highland-Bagpipe können in der akustisch wohlriechenden Konradskirche auch Trommelfellschäden zur Folge haben. Dafür war die aus Schinkenwurschtdosenblech gefertigte zierliche TinWhistle, äußerlich und charakterlich zum Virtuosen am ehesten passend, auf keltisch-zärtliche Art bespielt ein kleines Highlight. 

Die Osterzeit ist mit dem Pfingstfest zu Ende. Es ist der Geburtstag der Kirche! Jetzt geht es erst so richtig los. Nehmen wir also (trotz Reiseverbot) den Inhalt der Antiphon des Zwischengesanges ernst: „Geht in alle Welt und seid meine Zeugen!“ ALLELUIA.    Bild & Text: Bernhard Theinert