¿Da waren’s nur noch die Heiligen ZWEI Könige?

„Rassismus“ gibt es in der Kirche erst seit dem vierten Jahrhundert.

Wappen Benedikt XVI

Damals war die Welt noch in Ordnung. Dreihundert Jahre nach der Geburt Jesu kam erstmals die Idee auf, den Weisen aus dem Morgenland Gesicht und Namen zu geben. Gute Idee, denn die Menschen damals brauchten Bilder, um verstehen zu können. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, auch wenn die meisten mittlerweile scheinbar lesen und schreiben können. 

Man kann sich über den Bericht aus dem Ulmer Münster aufregen und es zum Anlass für eine ganz große Diskussion, ihn aber auch nur zur Kenntnis nehmen und die Entscheidung der dortigen evangelischen Kirchengemeinde respektieren. Erstaunlich nur, dass man da gleich alle drei entfernen muss. Man könnte ja auch ein Zeichen setzen und die zwei anderen drin lassen?! Isser krank? Nee, der kommt später! Sterne ungenau, Navi defekt,…

Je nach Landstrich werden die drei Könige sowieso immer anders dargestellt. In Italien waren es gerne mal drei weiße Weise. Das nennt man dann Ausgrenzung! Da wöllte ich mal die zuständigen Gleichstellungsbeauftragten sehen. Oder man mischt es bunt durch und interpretiert es so, dass die ganze Welt, also Menschen aller Hautfarben, dem Herrn huldigen, Eine*r davon für das Geschlechtsmerkmal „Divers“.

Freilich ist es mal wieder typisch deutsch, wenn man jeden Paragraphen bürokratisch übererfüllt und jetzt auch gewachsene Kultur einfach so über den Haufen wirft, nur weil irgendein Rassismus-übersensibler Mitmensch den überzeichneten Mohren unter den drei königlichen Morgenländern ausgemacht hat. Da sollte man die Kirche im Dorf und den King in der Krippe lassen!

Auch bei uns gibt es Schnogascheißer, die das kleine bucklige Negerlein, das in unserer Krippe als Spendenempfänger diente und gerne mal dümmlich mit dem Kopf wippte, entfernt haben wollten. Zugegeben: mir war dieser kitschige kleine Muck auch eher ein Dorn im Auge, aber den Kindern hat er gefallen. Fragt sich nun, was lernen die daraus? Wenn ich einem schwarzen Mitbürger 10 Cent gebe, dann geht das Licht an?! - Eben nicht!!! Kinder sind schlauer wie diese Kleinkrämer, die aus jedem schwarz angemalten Gesicht Rassismus-Tendenzen herleiten.  

Mir wird angst und bange, wenn unsere Sternsinger wieder auf die Straße gehen, Segen bringen und für den guten Zweck Geld sammeln wollen. Die Rolle des Caspar war bis jetzt unter den Kindern besonders begehrt. Zwar nicht, weil man in ihm den Vertreter des Kontinentes sieht, der aus wissenschaftlicher Sicht als Wiege der Menschheit angesehen wird, sondern eher der visagistischen Veränderung wegen. Aber auch da würde ich keine abschätzige Haltung gegenüber unseren schwarzen Schwestern und Brüdern sehen. Eher im Gegentum! Im Kirchengemeinderat sind mittlerweile Mitglieder, die sich betroffen fühlen könnten. Ich schätze, sie lächeln den schwarzen Ulmer König genauso weg, wie den Sarotti-Mohren im Wappen unseres emeritierten Papstes Benedikt. Die heutige Jugend wächst sowieso mit Kindern aus aller Damen & Herren Länder auf und hat zunächst mit Rassismus nix am Turban, es sei denn, es wirkt jemand schädigend auf sie ein.

Einen zarten „Negerkuss“ bekommt man schon  lange nichtmehr, das Zigeunerschnitzel eben so wenig und die Variante desselben mit Pilzen stellt eine Verunglimpfung der Jäger*Innen dar. Eine vollwertige Mahlzeit in Form eines „Mohrenkopf im Datschwegga“ gibt’s auch nimmer und nicht nur manch Pappenheimer oder der Landkreis Freising  werden über neue Wappen nachsinnen müssen. Ich würde noch das Kasperletheater verbieten, weil mit dem Seppl geistig weniger fitte Puppen verunglimpft werden. Auch „Hänsel und Gretel“, die die Hexenverfolgung wieder aufleben lassen, sollten verboten werden. Bei „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“  bin ich mir noch nicht sicher, aber das „Urmel aus dem Eis“, das auch von der Augsburger Puppenkiste verfilmt wurde, gehört auf jeden Fall aus dem Verkehr gezogen, weil es Tiere mit Sprachfehler verunglimpft. Und dann ist da noch Alf, der als verirrter Außerirdischer auf Katzensaft steht und ständig die Gastfamilie ärgert. Tierquälerei! Außerdem könnte der Eindruck entstehen, dass andere Mitbewohner des Universums nicht genug respektiert werden. Das Kinderlied „Zehn kleine Negerlein“ steht zurecht auf dem Index. Und haben Sie früher „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ gespielt? - Schämen Sie sich! Darüberhinaus muss auf jeden Fall „Coffee to go“ verboten werden, weil er an unrühmliche Zeiten der deutschen Kolonialherrschaft erinnert. Und nein! Die Engländer sind, trotz des Brexit, natürlich keine „Inselaffen“. Wir sollten unseren nächsten Verwandten etwas mehr Achtung zollen.  

Ich halte das alles für Irrsinn, der nur noch durch übertriebene Genderei getoppt wird. Wir hätten gewiss andere Sorgen, als uns Gedanken darüber zu machen, wie wir Mohr*Innen aus unserer Kultur streichen und die deutsche Sprache verstümmeln können. In Frankreich belächelt man uns milde ob unserer typisch deutschen Herangehensweise und meinen italienischen Freund*Innen kommt es eh spanisch vor. 

Bernhard Theinert
Bleichgesicht & Kalkleiste