„Australisches Alphorn“ und „reiserische Orgel“ in Sankt Konrad

In der katholischen Kirche gibt es keine Zufälle, sondern nur göttliche Fügung!

Harald Elser ist ein weitgereister Mensch. Das merkt frau auch an seiner Leidenschaft für exotische Instrumente. Kein Wunder, dass er sich an der Reiser-Orgel der Lorcher Pfarrkirche so wohl fühlt. Die an sich wäre mit ihren Mucken und Eigenarten schon exotisch genug, dann aber auch noch mit einem für seinen kleinen Golf fast zu mächtigen Down-Under-Alphorn anzureisen setzt noch einen drauf.

Diesmal saß der Gewählte Vorsitzende schon ins Gebet vertieft im Mittelblock, als Elser mit Gefolge einmal mehr „zufällig“ auf die Empore huschte. Selbst guter Hirte des Kirchenchores, hatte er die zum 4. Sonntag von Ostern passenden Lieder und Instrumentalstücke schon im Kopf als er die Windlade in Gang setzte.

Kurze Absprache der beiden Alpha-Tiere und schon ward ein „Fragment-Gottesdienst“ geboren, wie Bernhard Theinert sich im Interview mit dem „Lorcher Daagblad“ äußerte. „Es fehlt uns was in dieser Zeit und das darf man gerne auch in einem spontanen Gottesdienst spüren“, so der Kirchenchef weiter. „Trotzdem ist Kontinuität gefragt und Kirche muss für ihre Gläubigen in jeder Hinsicht offen sein.“

Meinte man im Vorspiel „O du fröhliche“ hören zu können, so wechselte das Thema bald auf „Nun lobt den Herren alle Welt“. In der dritten Strophe macht sich dieses stumm mitgesungene Gemeindelied den roten Faden des aktuellen Sonntags zu Eigen: „...als guter Hirt ist er bereit, zu führen uns auf seine Weid.“ 

Ganz und garnicht fehlte es an profunder Orgelmusik, nur unterbrochen durch kurze Lesungen und, wie eingangs erwähnt, durch eine von den Altarstufen aus dargebrachte Didgeridoo-Einlage. Im Grundton irgendwo zwischen D und Es diesmal die eigenwillige Elser-Interpretation der „Hirtenmusik im Outback“. „Jo, is denn scho Weihnachten?“ mag sich da die Eine oder der Andere Kirchenbesucher gefragt haben.

Vielleicht war es der vorläufig letzte Sonntag mit einem dieserart „zufälligen“ Singen und Spielen vor dem Herrn. Ab kommenden Samstag sind in unserer Diözese wieder „normale“ Gemeinde-Gottesdienste erlaubt. Unter sehr hohen Auflagen allerdings, die einzuhalten erst mal eingepaukt werden muss. Keine leichte Aufgabe für Gemeindeleitung und Sicherheitsbeauftragte Hansi Radler und Sebastian Dyrska.

Einerseits auch eine „frohe Botschaft“, wieder schrittweise Normalität in unsere Kirchen einkehren zu lassen, andererseits hatten diese aus der Not geborenen „zufälligen“ Matinée-Andachten doch auch etwas sehr Angenehmes, ja Tiefgehendes.

Und trotzdem: die Eucharistie-Feier ist und bleibt Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens. Obwohl Priester und Ordensleute die Heilige Messe jeden Tag und oft genug alleine für die Gemeinde gelesen haben, wird doch ihre öffentliche „Auferstehung“ nach dem LockDown sehnlichst erwartet. Freuen wir uns darauf!

Bild & Text Bernhard Theinert