„Auferstehung“ der Eucharistiefeier mit Gemeinde

Kyrie

Die katholische Kirchengemeinde Sankt Konrad in Lorch hatte am Sonntagvormittag ihre Gläubigen zum ersten Gottesdienst seit dem LockDown eingeladen. Freilich unter erschwerten Bedingungen wie vorheriger Anmeldung und Maskenpflicht. Desinfektionsmöglichkeiten standen am Eingang zur Verfügung und Ordner wiesen den Besuchern die Plätze zu. Abstand ist das oberste Gebot, wenn nicht gerade Familien oder Partner zusammen die Messe besuchen wollten. Dass sich trotzdem ca. 40 Mutige zum Kirchgang aufgerafft hatten ist bewundernswert, was der Gewählte Vorsitzende auch zu würdigen wusste. Einmal auf dem „distanzierten“ Platz angekommen, durften die Teilnehmer auch ihre Maske abnehmen und mussten diese erst wieder beim Verlassen der Kirche umbinden, was den Gang zur Kommunion deutlich vereinfachte. Auch hier wurde mit auf Tischen stehendem Acrylglas für Abstand und ausreichend Schutz gesorgt. Kommunionhelfer waren mit Zangen und Mundschutz am Start, bzw. an Ziborium und Patene, um die Kommunizierenden nicht zu gefährden. 

Natürlich muss sich alles erst noch einspielen, bis es ohne Verzögerungen problemlos läuft, aber der Probelauf mit Mitarbeitern und Ehrenamtlichen am letzten Samstag hatte da schon für ausreichend Erkenntnis gesorgt, sodass der Sicherheits- und Seuchenschutzbeauftragte, Kirchengemeinderat Hansi Radler, nur noch leichte Nachjustierungen vornehmen musste. Im Großen und Ganzen zeigte er sich aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis, sodass man die Ordnerzahl vielleicht ab nächste Woche schon auf zwei zurückfahren kann.  

Kirchenpflegerin Romina Capezzuto hatte im Vorfeld Einiges zu tun, um die notwendigen Materialien zu beschaffen. Vieles ist momentan auf dem freien Markt schwer zu bekommen, aber das eine oder andere Vetterle im Himmel, besser: aus dem Kreis der KGRs, konnte da hilfreich zur Hand gehen. Rosalinde Lutz stand mit kurzfristig organisierten Acrylglas-Scheiben zur Kommunion parat, Frau Schäffauer vom Kindergarten half mit Desinfektionsmittelspendern und aus der Küche kamen die Zuckerwürfelzangen zum Einsatz. Zudem bemerkenswert: Die patentiert-richtungsweisende Auspfeilung der Wege durch Helge Borsody, die hoffentlich bald präventiv gegen Geisterfahrer zum Einsatz kommt!

Mit Phantasie, Hirnschmalz und Tatkraft haben die verantwortlichen Akteure der Kirchengemeinden dafür gesorgt, dass sogar bei 73 Personen im Kirchenschiff die buchstäblichen Ab-Läufe geordnet vonstatten gehen können. Im Schnitt sind an einer Wochenendmesse meist eh nur wenig mehr Besucher zu erwarten.

Die Idee des Lorcher Kirchenchefs, auch noch Eintritt zu verlangen, wurde trotz Protest desselben verworfen. Sein Argument „Was nex koschd isch au nex!“ hatte eher für lachendes Kopfschütteln gesorgt. Ein weiterer Vorschlag von Bernd Hummel allerdings, die Gemeinde mehr in den Gottesdienst einzubeziehen und so das Manko des Nicht-Singens auszugleichen, dürfte aber überdenkenswert sein. 

Da Xangbücher als Hort für eine Infektion vorübergehend aus dem Verkehr gezogen wurden, wäre es sinnvoll, wenn die Mitfeiernden, wie früher, ihre eigenen Bücher mitbringen. Auf den ersten Blick vielleicht unlogisch, wenn Singen momentan nicht möglich ist, aber von den Organisten kam die Verlautbarung, dass sie immer wieder mal das eine oder andere neue Lied aus dem Gotteslob intonieren wöllten, um die Gemeinden langsam an die neuen Melodien heranzuführen. Wie sagte doch der ewig Zweite kurz vor Ende der Messe: „Vielleicht geschieht ja ein Pfingstwunder und die ganze Gemeinde ‘singt dem Herrn ein neues Lied‘, oder vielleicht gleich mehrere, wenn die summend lernenden Münder dereinst wieder lauthals fröhlich singen dürfen.“ Naiv? Keinesfalls! Nicht nur Moritz Frick, der mit der Orgel diesen ersten öffentlichen Gottesdienst durchaus mit Bedacht, würdig und angemessen begleitet hat, ist wild entschlossen, dies umzusetzen! Und gerade er kann das auch!

Dieser Gottesdienst hat nicht nur durch die Predigt von Herrn Pfarrer Nentwich Mut gemacht, auch das Miteinander war trotz Distanz spür- und erlebbar. Es war überaus wohltuend, Sie alle mit freundlichen Gesichtern wiedergesehen zu haben! Wir freuen uns auf‘s nächste Mal. 

Haben Sie es gemerkt? Kein einziges Mal ist in diesem Bericht, wie auch in der Predigt unseres Pfarrers, das Wort „Corona“ gefallen! Gut so.

Es grüßt aus dem Tal der Ahnungslosen

Bernhard Theinert (Text & Bild)