Schola Cantorum Lorchensis meets Staufer-Rundbild
Harmloser Abendspaziergang endet im Bildungsvollrausch
Das hatte sich Irene Treuer auch anders vorgestellt:
Ein Abendspaziergang im Kloster Lorch mit dem besten Ehemann von allen, bevor sölbiger sich mit seinen Schola-Brüdern in der Klosterkirche zur Probe trifft.
Soweit ist die Rechnung ja aufgegangen, aber beim inständigen Üben der Gregorianischen Gesänge kam Bruder Bernd (sie nannten ihn „Bombus“) die glorreiche Idee, diese profunde, aber leider halt auch ehemalige Gästeführerin, hernach einer alles andere als hochnotpeinlichen Intensivbefragung zu unterziehen. Der Geist wirkt eben speziell auch durch den Choral !
Und wenn man den Schließdienst im Kloster, der während der angesetzten Probezeit seinen Rundgang zu absolvieren anstünde, nur freundlich genug bäte, dann ließe dieser sicher auch die Pforte zum Rundbild noch etwas länger offen.
„Halb zog man sie, halb sank sie hin“ und so konnte die paupere Irene nach dem Lauschen sonoren Männergesanges garnicht anders älswia die kleine Gruppe Wissbegieriger anhand des Kloss’schen Rundbildes in 166 Jahre Staufer-Geschichte eintauchen zu lassen.
Wie die Jungfrau zum Kinde kommt man so gut katholisch zum Mini-Job mit bildungs-technischer Maxi-Wirkung. Was in der folgenden guten halben Stunde erfahrbar wurde, war ein unglaublich inhaltsreicher und von immensem Hintergrundwissen geprägter Vortrag über die Anfänge der Staufer bis zu ihrem Untergang durch die Enthauptung Konradins in Neapel.
Ganz und garnicht kopflos dagegen die Frau, die die Ehre hat, den gleichen Namen zu tragen, wie die große Irene von Byzanz, Frau des Stauferkönigs Philipp. Als „Rôs âne Dorn, ein Tûbe sunder Gallen“ von Walther von der Vogelweide bedichtet, ist sie, im Kindsbett verstorben, von der Burg Hohenstaufen in ihre Lorcher Grabeskirche überführt und später unter der Tumba im Kirchenschiff bestattet worden.
Von Päpsten gedrängt hatte Friedrich II. den einzig relativ friedlichen Kreuzzug angeführt und mit Sultan al-Kamil einen Vertrag ausgehandelt, der den Christen im Heiligen Land temporär Jerusalem zusicherte und erhebliche Freiheiten gewährte. Durch Heirat der Tochter des Königs von Jerusalem hatte der äußerst gebildete Staufer schon genug Buße getan. Da musste es nicht auch noch ein verlustreicher Kreuzzug sein! - Schaut man heutzutage auf den nahen Osten …?! Herrschende könnten auch weise und umsichtig handeln.
166 Jahre, die das ganz und garnicht so dunkle Mittelalter geprägt haben in einer konzentrierten sauguten halben Stunde anhand eines überwältigenden Gemäldes unterhaltsam wie tiefgründig humorvoll erklärt!
Sollte jemals jemand eine Edelführung mit geballtem Wissen für honorable Gäste benötigen: Die Ansprechpartnerin kennen sie ja nun!
„Stupor mundi“ gilt Kaiser Friedrich II., „Stupor Scholæ“ dagegen Irene von Lorch!
Ein herzliches Vergelt’s Gott!“ den Hetären im Klostershop für ihr Vertrauen und die freundliche Unterstützung in scholaren Bildungsangelegenheiten!
Und dass einer unserer Bordun-Töner zur letzten Probe vor der Sommerpause „zufällig“ leichte Getränke aus Irland und den „Mundraub der Sabinerinnen“ dabei hatte, war der Après-„Probe“ nach dem kreuzschonenden Kreuzzug zum Kreuzgang mindestens genauso förderlich, wie der „Kristallisationspunkt“ Rundbild zuvor.
- Slàinte Mhath !
Fotos: Gabriele Theinert
Text: Bernhard Theinert


