„Bruder Winfrieds“ Sommertour ins Kloster Lorch

„Psallite Regi nostro, psallite sapienter.“

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Laut Pressesprecher der „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“(SSG), Frank Krawczyk, stand zwar die Sakrale Kunst im Zentrum des Interesses von Winfried Kretschmann, manchem auch als „Minischdrbräsidend“ bekannt, aber wo bitte gibt es in unserem Kloster sakrale Kunschd? Ad hoc fällt einem da nur die Bausubstanz ein, die der Konservator der SSG, Cem Alaçam, an diesem regnerischen Vormittag den Ehrengästen so mitreißend vermitteln konnte.

Sicher auch das über 500 Jahre alte Kruzifix in der Vierung und die Staufertumba.
Das Rundbild mit der Staufergeschichte von Hans Kloss ist zwar auch „originelle“ Kunst, aber nicht unbedingt sakrale.  Die Stauferkaiser auf den Pfeilern zwischen den drei Kirchenschiffen?  Auch das Buch Kaiser Friedrichs II. über „Die Kunst, mit Vögeln zu jagen“ ist sicher nicht im Kloster entstanden. Die Kräutergärten, nach dem mittelalterlichen Gedicht „Hortulus“ angelegt? Für den Biologen Kretschmann interessant, aber auch nicht unbedingt sakral.

Und doch gibt es sie, die sakrale Kunst des Klosters Lorch. Dreimal dürfen Sie raten, wer die kunstvoll gefertigten Lorcher Chorbücher von 1512 zu noch kunstvoller gesungenem Gebet erweckt?! Genau: das kann nur die „Schola Cantorum Lorchensis“! 
Es ist ein Balanceakt zwischen liturgischem Einsatz und Show für „irgendwelche“ Ehrengäste. Nein, ist es nicht! Liturgie ist immer ein Singen und Spielen vor dem Herrn und für die Schola ist es so oder so Gottesdienst mit den lateinischen Gesängen der Gregorianik, nur eben unterbrochen durch erhellende Textbeiträge. Hier wurden die Chorbücher geschrieben, mindestens hier müssen auch die darin verewigten Gebete und Gesänge wieder erklingen. Das ist eine Aufgabe, die sich die Schola selbst auferlegt hat, verbunden mit dem Ziel, dies vor Allem im Rahmen der Tagzeitenliturgie der Klosterbrüder zu tun. 

In seinem Schlussstatement hat unser Ministerpräsident richtigerweise dann auch die Säkularisierung der Welt als negative Entwicklung entlarvt und ein Entgegenwirken eingefordert.  Ob Vorsitzender des Freundeskreises Kloster Lorch und historisch versierter Heimatbuchautor Manfred Schramm; oder, als Beispiel für die Gästeführer auf dem Heiligen Berg, Anneliese Welz, die einen Teil dieser Sonderführung übernommen hat; oder die Herren Pelz von der Stauferfalknerei;  Ursel Wagner, die die Kräutergärten nach dem Gedicht „Hortulus“ des Reichenauer Mönchs Walahfried Strabo (9. Jahrhundert) liebevoll pflegt;  oder die Schola Cantorum mit „ihren“ Lorcher Chorbüchern:  Sie alle bemühen sich schon jahrzehntelang ehrenamtlich um den Erhalt dieser Kulturgüter und versuchen, diese so gut wie möglich zukunftsfähig zu machen. Es dürfen gerne noch mehr Ehrenamtliche sein!

Unser Ländlesboss, der die umfangreichen Informationen über diese Themen aufgesogen hat und in seinen Schlussbemerkungen widerspiegeln lies, hat dabei auch aufblitzen lassen, wie tiefgreifend sein Wissen um die Staufer, das Land und dessen Kultur und Kunst ohnehin schon ist. Man durfte den Eindruck haben, er hätte sich extrem gut auf den Besuch in Lorch, in dem er zum ersten Mal Station gemacht hat,  vorbereitet. „Zukunft braucht Herkunft!“ (Odo Marquard) 

In der Klosterkirche durfte der Schola-Chef den Regierungs-Chef zum ersten „Bruder h.c.-o.s.r.“
(ohne Singrecht) erheben und ihm als sichtbares Zeichen seiner Bruderwürde die Schola-übliche Kopfbedeckung mit Logo und Aufschrift auf’s Haupt und somit dem Fass die Krone auf-setzen, oder sagen wir besser schwäbisch anerkennend „Fässle“. Jedenfalls dürfte er sich nun neben seinen tatkräftigen polizeilichen Personenschützern auch durch die Scholamütze gut „behütet“ fühlen. 

Dass der so ernannte Mitbruder h.c. damit samt seinem ihm von Gott zugemuteten Erdenglück ab dem Ruhestand kostenlos ins Kloster darf, wird ihn als Schwaben freuen, aber dafür muss er jedes Jahr am Staufer-Gedenktag zum Hochamt erscheinen, den Klosterbrüdern ein Fass Klosterbräu und jedem aktiven Sänger einen L²KW (Lauga-Läbrkäs-Wegga) mitbringen. Immerhin hat unser neues Ehrenmitglied dies unter Zeugen bestätigt! Und Mitbruder Franz sei einer dieser Zeugen! 

Es passiert nicht oft, dass die Schola von ihrem hohen Sockel in der Klosterkirche herabsteigt und ihr „natürliches“ Habitat verlässt, um Klosterbesuchern prozessierend und singend zur Begrüßung am Haupttor entgegen zu kommen. Zuletzt war dies bei „Barbarossa“, den königlich-württembergischen Hoheiten aus Altshausen, sowie Friedrichshafen und der Eliteschule Rosenberg Sankt Gallen der Fall. Aber beim Besuch des Landesregierungschefs hat der Prozessionsgesang zum ersten Mal wie die Faust aufs Auge gepasst: „…Psallite Regi nostro, pasallite sapienter.“ Übersetzen wir es mal salopp mit: „… Singt unserem Regierenden, spielt ihm ein Psalmenlied mit Weisheit!“ Der anwesende Regierungschef muss ja nicht wissen, dass er gar nicht gemeint ist. Gut, „Regi nostro“ könnte man auch mit „unserm König“ übersetzen, was aber auf dasselbe herauskäme, ist doch Winfried Kretschmann der legitim gewählte Regent und somit quasi Nachfolger der Württembergischen Könige, deren katholische Linie übrigens noch existiert und die, siehe oben, auch schon im Kloster zugegen waren.

In unserer Heimatstadt Lorch stellt der Heilige Berg, so Bürgermeisterin Marita Funk, ein dauerhaftes Highlight dar: „… für meine Lorcherinnen und Lorcher ist das Kloster das Zeichen: jetzt simmr daheim …“. Wie wahr!
Der erste Besuch des scheidenden grün-katholischen Ministerpräsidenten hingegen war mindestens eine kleine Sternstunde! Spätestens im September 2026 sehen wir ihn, dann im Unruhestand, zur Staufer-Gedenkmesse wieder!

Bernhard Theinert,

Weihrauch-Junkie