„Alte Knacker frönen dem Gesang“
Herbstlicher Zauber im Gemeindesaal von Sankt Clemens
Nur ein herbstlicher Hock mit neuem süßem und jungem spritzigem Trollinger, flankiert von schwäbisch herzhaften Schmankerln hätte es werden sollen. Ein stimmungsvoller Gute-Laune-Abend im bezaubernd-gemütlichen Ambiente des Gemeindezentrums der katholischen Kirchengemeinde Sankt Clemens Alfdorf ist es geworden. Klar, wenn Wein und Brot in der Eucharistie die tragende Rolle spielen, warum soll man das nicht auch auf profane Art und Weise feiern, so kurz nach Erntedank.
Simone Müller-Strege als Initiatorin und Organisatorin hat liebevolle Arbeit geleistet. Die eigene Familie mit einspannend wurde ein Erfolg draus. Aber selbst von einer schweren Influenza erwischt abends dem Weinen nahe auf dem Sofa sitzen zu müssen, während im Zentrum der Kirchengemeinde ein dem Wein naher erbaulicher Abend (quasi per „Eurovision“ übertragen) seinen Lauf nimmt, ist hart. Allerdings haben die von ihr beauftragten weiblichen Ersatzmänner, Tochter Julia und Susanne Köngeter-Gravemann, die Besucher so herzlich kümmernd versorgt, dass man sich ungemein angenommen fühlen durfte.
Wie die von Sir Henry Wood in der Royal Albert Hall in London ward die Büste der Alfdorfer Weingöttin Julia zudem noch auf dem Altare Vini feierlich in Szene gesetzt. Man(n) muss ja wissen, wem man so nebenher noch huldigt.
Geld für die Bewirtung verlangen? Nein! Der Abend wurde aber letztendlich doch durch großzügige Spenden nicht zur finanziellen Last für die Kirchenpflege.
Und dann waren da noch so Typen: faltig, ergraut, marderalt, mit brüchiger Stimme - also Sänger der CANTORES in den besten Jahren mit ihrer jungen Kondukteuse Susanne Walcher-Fischer. Immerhin konnte die reine Männertruppe mit Quotenfrau durch die ihnen eigene, vom Leben geprägte Humor-Ironie-Paarung überzeugen. So haben die „ehrenwerten (???) älteren Herren“ den tatsächlich voll besetzten Gemeindesaal launisch singend „halbwegs“ unterhalten. Und das war auch das erklärte Ziel der Organisatorin samt Bänkelsänger. Das Kalkül ist aufgegangen.
Tisch, Zwiebelkuchen und Wein miteinander zu teilen kann für sich ja schon recht gemeinschaftsfördernd sein, aber die zwei xangstechnischen Unterhaltungsblöcke der Cantores haben det Janze eben noch anderthalb bis drei ü-Tüpfelchen aufjesetzt, wa! Und auch den singenden alten Knackern hat man angesehen und -gehört, wie gerne sie dabei waren. Die hatten aber auch sichtlich Spaß daran, den Anwesenden auf ihre Art etliche Lacher zu entlocken. Wer kann schon einen vierstimmigen Satz von „Griechischer Wein“ ad hoc siebenstimmig wiedergeben? Am Ende hat jedenfalls keiner ohne ein Lächeln auf dem Gesicht zu später Stunde den geselligen Abend verlassen. Als Nicht-Theologe würde ich das auch eine Art „Frohe Botschaft“ nennen. Selbst die geforderte Zugabe konnte das positive Gemeinschaftserlebnis nicht mehr trüben. Hatten doch diese hundsgemeinen Jodler noch eine humoristische Pöbel-Salve auf diverse Persönlichkeiten auch im Saal losgelassen: Dass der versierte Organist und Gemeindechef Moritz Fri… „mit den Orgeltasten immer Lotterie“ spielen würde stimmt genauso wenig, wie der Vorwurf an den „beliebten“ Pfarrer Erhard Nent…, dass seine „Predigt nie a End“ fände. Aber die beiden nahmen es gelassen, ja fühlten sich sogar geehrt. Immerhin waren die Namen so zusammengekürzt, dass man (fast) nicht mehr wissen konnte, wer gemeint war. Die Persönlichkeitsrechte sollten gewahrt bleiben.
Eine zweite Zugabe-Forderung des Auditoriums wurde mit einem heftigen „Nöööö“ der Cantores abgelehnt. Und mit diesem mehrstimmigen „nö-nö-…“ nach Art einer Pavane sind die plärrenden Protagonisten dann auch feierlich schrei(t)end entwichen.
Dass am Ende Demeter-Trollingersüßmoschd und Trollinger samt Müri-Weißwein vom Öko-Weingut Schmalzried fast auf Null dezimiert waren, sollte man besser nicht erwähnen, wenngleich es doch für die Qualität des Weingutes spricht. Dank an den alten Winzer ond dr Jong vom Alda für das preisliche „Entgegenkommen“, oder sollte man es besser Sponsoring nennen? Schön, dass auch unsere evangelischen Schwestern und Brüder mit im Schifflein Petri sitzen, das von so vielen Nieten zusammengehalten wird und schon deswegen nicht untergehen kann!
Bernhard Theinert,
eigentlich Moschd-Junkie,
aber auch Heimatwein-Fan.


