Investitur mit liturgischem Glanz und Gounod-Gloria in Sankt Konrad

Das Schöne ist der Glanz des Wahren

Was der Heilige Augustinus schon wusste, das trifft natürlich auch auf die Liturgie der katholischen Kirche zu. In einer besonders glanzvollen Eucharistiefeier, Dreh- und Angelpunkt katholischen Lebens, hat Herr Pfarrer Erhard Nentwich am 29. Sonntag im Jahreskreis seine Stelle mit der Verlesung des bischöflichen Dekretes und seinem Dienstversprechen in der Seelsorgeeinheit Lorch-Alfdorf angetreten. 

Nach der symbolischen (Laugen-)Schlüsselübergabe durch den Zweiten Vorsitzenden der Kirchengemeinde Alfdorf, Erich Philipp, hat sich „der Neue“ mit leisem Humor und kleinen, aber bedeutungsvollen Zeichen als Seelsorger durch und durch und buchstäblich rundherum gezeigt.

Für seine erste Predigt mit drei „Stichelwörtern“ wurden ihm von den Ministranten per „Predigt-Wecker“ sieben Minuten zugestanden. Und wer genau hingehört hatte, fühlte sich hinterher genauso erhellt wie ermahnt und ermutigt.  

Unser stellvertretender Dekan, Herr Pfarrer Johannes Waldenmaier, der seinen Mitbruder in das Amt mit den drei Altären in Sankt Elisabeth, Sankt Clemens und Sankt Konrad eingesetzt hat, wirkte irgendwie angenehm locker. Wohl deswegen, weil die Seelsorgeeinheit am Westende des Dekanates nun endlich wieder unabhängig und vollumfänglich selbst agieren kann.

Mit dem neuen Hausherren, dem scheidenden Pfarrvikar Simeon, sowie den Pfarrern Bernhard Fetzer aus Schechingen und Jens Brodbeck aus Plüderhausen war zudem ein Pfarrer-Quintett rezitierend im Hochgebet zu hören. Eine neue „Boygroup“? Nein, aber irgendwie fühlte man sich doch an „The Priests“, das durchaus anspruchsvoll singende irische Pfarrer-Trio, erinnert. Nachdem der Chor händeringend Männer sucht, wären die doch.., aber katholische Pfarrer sind eben noch viel rarer gesät, weswegen der Lorcher Zweite Vorsitzende unbedingt noch einmal gehörig Werbung für neue Sänger im Kirchenchor machen musste: „Geistliche ist die einzige Musik mit Tiefgang und macht ‚sogar‘ unter der Knute eines Harald Elser noch Freude“, so Bernhard Theinert, der in seiner ungelenk  unorthodoxen Rundumschlag-Moderation auch auf seinen „häuslichen Kriegskameraden“ zu sprechen kam, der gesagt haben soll: „Ach, der arme Herr Pfarrer Nentwich kommt freiwillig nach Lorch, obwohl er den Zweiten Vorsitzenden schon kennt?!“

Herr Bürgermeister Karl Bühler hat dies selbstredend aufgegriffen, um den so Geschmähten wieder aufzubauen und bot als oberster Vertreter der Stadt im gleichen Atemzug auch dem neuen Oberhaupt der Lorcher Katholiken seine Hilfe und eine enge Zusammenarbeit an. Dies geschehe momentan auch von „A wie Ausstellung der Lorcher Chorbücher über G wie Gedankengang und R wie Remsgartenschau bis Z wie Zanierung des  Kindergartens“, wie Theinert, orthographisch temporär nicht ganz sattelfest, anfügen konnte.

Bis zur ökumenischen Einheit ist es noch ein weiter Weg, aber die Zusammenarbeit mit den evangelischen Gemeinden ist dafür umso besser. Das Tri-umphirat aus Pfarrerin Cornelia Gerstetter (Lorch), Pfarrer Lukas Golder (Waldhausen) und Pfarrer Friedmar Probst (Alfdorf) begrüßte dann auch in bekannt pragmatisch-kreativer Art und Weise den neuen Kollegen gemeinsam und ließ einmal mehr ein hohes Maß an herzlichem Miteinander spüren. 

Kleines Highlight: In Vertretung aller Ministranten sagten Marianna Mödinger und Anne Wolfmaier ihrem neuen Dienstherrn „Grüß Gott“ und überreichten einen Schal, weil er ja „in zwei Klimazonen“ präsent sein müsse. Stimmt schon: Wenn man im Remstal noch in den Baggersee springt, hat es in Alfdorf schon elfeinhalb cm Schnee.

„Wolle mer se roi losse?“ war das Stich(el)wort für Kinderkirche und Kindergärten gleichermaßen. Zusammen mit ihren Erzieherinnen und Betreuern und zwei Liedern samt Gitarre im Gepäck wurde der neue Hirte auf seine wohl bald anstehenden Besuche in den Kindergärten eingestimmt.

247 Gottesdienstbesucher, waren gekommen, dazu noch 39 Sänger im Chor, 28 Ministranten zwei Amtsbrüder und der Organist Christoph Maaßen, der aus Wäschenbeuren herab- und an der Reiser-Orgel gewaltig in die Pedale gestiegen ist.

Der Eine kommt, der Andere geht. In Alfdorf erinnerte Erich Philipp daran, dass nun Pfarrvikar Simeon die Seelsorgeeinheit verlassen müsse, auch um in Oberndorf am Neckar eine neue Stelle anzutreten. „Wir lassen ihn nur ungern gehen. Er ist uns an Herz gewachsen.“

Im vollen Gemeindesaal der Alfdorfer Kirchengemeinde wurden die Gäste von den Landfrauen, organisiert von Gudrun Segan, bewirtet. Vom dortigen Zweiten Vorsitzenden gekonnt anmoderiert durfte Pfarrer Nentwich die Grußworte von Bürgermeister Michael Segan und dem evangelischen Amtskollegen, Herrn Pfarrer Probst, entgegennehmen. Auch Bürgermeister Bühler aus Lorch kam nochmals in „gesunder Kürze“ zu Wort und überreichte dem neuen Lorcher Bürger das von der Stadt aufgelegte Werk über die Lorcher Chorbücher, in dem auch die Schola Cantorum Lorchensis verewigt ist, die am Abend noch die Dankandacht zusammen mit Moritz Frick an der Orgel gestaltet hat. Ein würdiger und in die Ruhe führender Ausklang des Festtages. Und da war sie nun auch abschließend wieder: Die Schönheit der Liturgie im Glanz des Wahren! 

Bernhard Theinert,

endlich wieder tatsächlich ZWEITER Vorsitzender
der Kirchengemeinde von Sankt Konrad, Lorch